• vom 13.09.2011, 16:41 Uhr

Film


Als erste österreichische Schauspielerin wurde Silvia Schantl in New York ausgezeichnet

Eine talentierte Streberin




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Von Klaus Stimeder, New York

  • Silvia Schantl erhält Preis für beste Hauptrolle. Erste österreichische Schauspielerin, die beim New Yorker Film Festival ausgezeichnet wird.

New York/Wien.

Kritisiert an Österreich Kleinkariertheit und Cliquenwesen: Multitalent Silvia Schantl ist soeben in New York als "beste Hauptdarstellerin" im Thriller "22:43" ausgezeichnet worden.

Kritisiert an Österreich Kleinkariertheit und Cliquenwesen: Multitalent Silvia Schantl ist soeben in New York als "beste Hauptdarstellerin" im Thriller "22:43" ausgezeichnet worden. Kritisiert an Österreich Kleinkariertheit und Cliquenwesen: Multitalent Silvia Schantl ist soeben in New York als "beste Hauptdarstellerin" im Thriller "22:43" ausgezeichnet worden.

Silvia Schantl ist: Moderatorin, Sängerin, Stimm- und Persönlichkeitstrainerin, Model, Darstellerin in Fernsehwerbungen, Organisatorin von Charity-Veranstaltungen sowie, in ihrer Eigenschaft als diplomierte Publizistin, Lehrbeauftragte an den Universitäten Salzburg und Klagenfurt. Sie spricht fließend Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch, ein bisschen Russisch, beherrscht die österreichische Gebärdensprache, kann tanzen und Motorrad fahren. Silvia Schantl ist 28 Jahre alt.


Auf die Frage, ob sie diese derartige Ballung von heutzutage auf dem Arbeitsmarkt schwer gefragten Eigenschaften und Fähigkeiten manchen Leuten nicht unheimlich macht, sagt sie: "Nicht wirklich. Ich habe halt immer hart an mir gearbeitet, und aus dem einen hat sich immer das jeweils Nächste ergeben."

Schauspielerin ist Silvia Schantl auch, am Theater und im Film. In letzterem Metier hat sie vor kurzem etwas erreicht, das noch keiner anderen österreichischen Schauspielerin vor ihr gelang. Im Rahmen des New York City International Film Festival wurde Silvia Schantl für ihre Darstellung in dem Thriller "22:43" mit dem "Times Square Award" für die beste weibliche Hauptrolle ausgezeichnet. Bei der Wahl ließ sie Mitbewerberinnen wie Claudia Cardinale hinter sich.

Ein bisschen ungewohnt sei der Rummel in Manhattan schon gewesen, aber "trotzdem habe ich alles sehr genossen. Dass ich einen Preis gewinnen würde, hätte ich mir nie erwartet. Ich bin Markus Hautz (dem Regisseur) sehr dankbar. Beim Casting habe ich mich eigentlich nur für eine Nebenrolle beworben. Ich war ganz baff, als er mir dann die Hauptrolle angeboten hat." Angesichts ihrer Biografie ein, ganz klischeehaft, buchstäblich hart erarbeiteter Erfolg.

Silvia Schantl, geboren in Graz, aufgewachsen in Kärnten. Der Entschluss, Schauspielerin zu werden, fiel so früh wie spontan. Mit dem Vater sei sie als 16-Jährige vor dem Fernseher gesessen, es lief eine Seifenoper. Nachdem sie nicht aufhören wollte, die ihrer Meinung nach unfähigen Darstellerinnen zu kritisieren, begriff sie die Frage des Vaters, "ob ich es wirklich besser kann als die im Kastl", als Herausforderung. Tags darauf telefonierte sie alle in der näheren Umgebung befindlichen Schauspielschulen durch und landete kurze Zeit später in Klagenfurt, wo sie sich in der Folge ihre ersten Sporen am Stadttheater verdiente. Zwischen Stationen in Graz und Wien absolvierte sie ihre Studien und schuf sich nicht ein zweites, sondern gleich mehrere berufliche Standbeine.

In der Werbung stellt Schantl ihre stimmlichen und darstellerischen Qualitäten seit langem Unternehmen wie Milka oder Opel zur Verfügung; in Österreich ist bisher lediglich ihre Stimme zu hören gewesen - sie ist die Sprecherin des Bipa-Werbespots. Angesichts des unerwarteten Erfolgs will sich Schantl jetzt aber voll auf den Job als Schauspielerin konzentrieren. "Ich hoffe, dass ich mir künftig meine Rollen besser aussuchen kann. Ich will definitiv selektiver werden."

Für Schantl, Hautz und ihre Mannschaft hat sich der Trip nach Amerika ausgezahlt. Nach der Weltpremiere im Rahmen des International Film Festival von Anchorage, Alaska, siegte "22:43" in New York auch in den Kategorien "Beste Nebendarstellerin" (Times Square Award für Laila Alina Reischer) und in der Kategorie "Beste Original-Filmmusik". Der Film ist ein komplexes Drama um einen erfolglosen Wiener Schriftsteller und dessen Lebensgefährtin, das mit mehreren Erzählsträngen unterschiedlichen Zeitebenen verbindet. Mit dem seit der Oscar-Verleihung an Stefan Ruzowitzkys "Die Fälscher" 2008 und der an Christoph Waltz für seine Darstellung eines SS-Offiziers in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" (2009) neu erweckten Interesse der Amerikaner am österreichischen Film habe dies aber kaum zu tun, meint Schantl: "In Österreich ist es nach wie vor sehr schwierig, Filme zu machen. Die Kleinkariertheit, der man oft begegnet, bildet immer noch eher die Regel als die Ausnahme. Und was die Auswahl der Schauspieler angeht, gibt es immer noch viele geschlossene Cliquen, die sich gegenseitig die Rollen zuschanzen."

An ihrem derzeitigen Wohnsitz Wien will sie trotzdem bleiben, "auch wenn sich durch den Erfolg des Films natürlich viele Möglichkeiten ergeben haben." Neben dem beruflichen Erfolg verzeichnete Schantl in New York ganz nebenbei auch einen privaten: Ihr Freund, ein angehender Arzt für plastische Chirurgie, hielt um ihre Hand an. Erfolgreich.



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