Zum Abschluß der Viennale am Mittwoch gibt es politisches Kino: "The Ides of March" (regulär ab 23.12. im Kino) ist die neue Regiearbeit von George Clooney, der darin hinter die Kulissen des Polit-Alltags in den USA blickt. Es ist ein schmutziges Geschäft, in dem Tarnen und Täuschen zur Grundvoraussetzung gehören. Philip Seymour Hoffman spielt in dem Film den Kampagnen-Manager eines von Clooney selbst dargestellten US-Gouverneurs. Die "Wiener Zeitung" traf Hoffman zum Interview.

"Wiener Zeitung": Mr. Hoffman, interessieren Sie sich für Politik?

PHILIP SEYMOUR HOFFMAN: Ich war immer sehr naiv und uninformiert, was Politik betrifft. Ich wuchs in einer Familie auf, die an sich schon großes Interesse an Politik hatte. Meine Mutter arbeitete als Richterin und war sehr politisch. Meine ganze Kindheit über war ich mit Politik konfrontiert, und als Kind lehnt man das, was die Eltern machen, ja manchmal ab. Erst mit 30 begann ich, mich mehr für Politik zu interessieren. "The Ides of March" habe ich jedenfalls nicht gedreht, weil es ein politischer Film ist. Ich meine, ist es ein politischer Film? Man hört zwar die Ansichten des Gouverneurs im Film, denen man Glauben schenken kann oder auch nicht. Aber in Wahrheit geht es doch um etwas ganz anderes.

Was ist also Ihrer Meinung nach die Idee hinter "The Ides of March"?

Jeder weiß doch, wie es in der Politik zugeht. Das ist nichts Neues. Wie oft lesen wir von Skandalen und Rücktritten? In "The Ides of March" geht es daher eher darum, wie die Politik das Leben der Menschen, die in ihr arbeiten, beeinflusst. Man macht diesen Film nicht aus politischen Überzeugungen, denn keine Figur in dem Film kommt am Ende gut weg. Man macht dem Film, weil die Handlungen der Personen ein Nachspiel haben. Ein Nachspiel, das am Ende jemandem das Leben kostet.

Glauben Sie, dass die Politik heute ein schmutzigeres Geschäft ist als früher?

Nein, es ist nur größer geworden. Heute fließt mehr Geld in die Politik und die Medienszene ist viel größer. Es gibt mehr Kanäle, an denen man Politik verbreiten kann – von Online-Blogs bis Twitter. Das ist schon ein wenig zuviel, um ehrlich zu sein. Man wacht auf und ist müde, wenn man das ständig verfolgt.

Sie spielen den Kampagnenmanager von Gouverneur Mike Morris (George Clooney). Gab es reale Vorbilder für die Rolle?

Ich habe meine Rolle nicht an reale Personen angelehnt. Ich habe zwar etliche politische Figuren kennen gelernt, aber niemand war ein spezielles Vorbild. Ich musste lediglich immer daran denken, dass Leute, die Erfolg haben, nicht unbedingt die weichsten Typen sind. Man muss diese Figur schmutzig spielen.