Kein reales Polit-Vorbild gab es für Philip Seymour Hoffmans Rolle in "The Ides of March". - © Saeed Adyani
Kein reales Polit-Vorbild gab es für Philip Seymour Hoffmans Rolle in "The Ides of March". - © Saeed Adyani

Als Wahlkampfberater mit Moral, nämlich Mut zur Loyalität und überzeugter Ehrlichkeit, gehört Philip Seymour Hoffman in George Clooneys Regiearbeit "The Ides of March" (ab Freitag im Kino) einer Minderheit an, steht, genau genommen, auf verlorenem Posten inmitten seiner Haifisch-Kollegen im Korruptions- und Skandalsumpf. "Schmutziger als früher ist die Politik aber nicht", sagt Hoffman im Interview mit der "Wiener Zeitung". "Es fließt nur viel mehr Geld hinein, und durch die große Medienszene gibt es mehr Kanäle, auf denen man Politik verbreiten kann - von Online-Blogs bis Twitter. Jeder weiß also, wie es in der Politik zugeht: Skandale, Rücktritte, Skandale."

Früher hatte Hoffman, der seine Rolle als Wahlkampfmanager mit großer Überzeugung spielt, kaum Interesse an Politik: "Ich war immer sehr naiv und uninformiert, was Politik betrifft. Ich wuchs in einer Familie auf, die an sich schon großes Interesse an Politik hatte. Meine Mutter war Richterin und sehr politisch. Meine ganze Kindheit über war ich mit Politik konfrontiert, und als Kind lehnt man das, was die Eltern machen, ja manchmal ab. Erst mit 30 wuchs mein Interesse für Politik."

Hinter den Kulissen
der US-Politik


"The Ides of March" ist für Philip Seymour Hoffman gar kein politischer Film. "Es geht vielmehr darum, wie die Politik das Leben der Menschen, die dafür arbeiten, beeinflusst. Man macht diesen Film nicht aus politischen Überzeugungen, denn keine Figur in dem Film kommt am Ende gut weg. Man macht den Film, weil die Handlungen der Personen ein Nachspiel haben. Ein Nachspiel, das am Ende jemanden das Leben kostet."

"The Ides of March" erzählt von einem jungen Wahlkämpfer (Ryan Gosling), der gemeinsam mit Hoffmans Figur als Wahlkampfleiter einen Senator (George Clooney) zum Präsidentschaftskandidaten machen soll. Auf seinem Karriereweg wird ihm schließlich seine Affäre mit einer Praktikantin (Evan Rachel Wood) zum Verhängnis.

"Meine Rolle basiert nicht auf einem realen Vorbild", sagt Hoffman. "Aber mir war klar: Man muss diese Figur schmutzig spielen." Schmutzige Figuren - eine kleine Leidenschaft von Hoffman, wie er selbst sagt, und wie er nicht nur mit seiner Darstellung von Truman Capote eindrucksvoll demonstrierte: "Ich hatte das Glück, schon vor Capote eine solide Karriere zu haben. Daher war der überragende Erfolg des Films damals kein so unfassbarer Zustand für mich. Ich wurde damit recht leicht fertig", sagt er.