Daniel Craig einmal anders - als Journalist Mikael Blomkvist in der US-Verfilmung von Stieg Larssons "Verblendung".
Daniel Craig einmal anders - als Journalist Mikael Blomkvist in der US-Verfilmung von Stieg Larssons "Verblendung".

Daniel Craig wirkt entspannt. Braungebrannt erscheint er zum Interview-Termin mit der "Wiener Zeitung", im passgenauen beigen Anzug mit weißem Hemd. Der 43-jährige Schauspieler, der derzeit in London für den neuesten James-Bond-Film unter der Regie von Sam Mendes vor der Kamera steht, hat durch seine Rollenwahl vermieden, zum 007-Stereotyp zu verkommen: Im Sommer spielte er im Action-Nonsens "Cowboys & Aliens", im Dezember war er - in digitalisierter Form - in Spielbergs "Die Abenteuer von Tim und Struppi" zu sehen, und am kommenden Freitag läuft mit "Verblendung" die erste US-Verfilmung von Stieg Larssons "Millennium"-Trilogie an. Für deren Fortsetzung "Verdammnis" hat Craig bereits unterschrieben, sie soll 2013 in die Kinos kommen. Craig, ursprünglich aus dem britischen Independent-Kino kommend, ist jetzt einer der Großen im Geschäft. Er hat es zum Weltstar geschafft.

David Fincher inszeniert ihn nun im US-Remake von "Verblendung" als Aufdeckerjournalist Mikael Blomkvist, der gemeinsam mit der jungen Hackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara) auf grausame Entdeckungen stößt.

Craig ist hier alles andere als der gelackte Superagent Ihrer Majestät: Er trägt Brille, Woll-Pullis und einen Dreitagebart. Die Marschrichtung scheint klar: Nach dem nächsten Bond-Film "Skyfall", der Ende 2012 in die Kinos kommen wird, endet Craigs Drei-Filme-Deal. Die Option auf einen vierten Bond gibt es zwar, aber Craig scheint mit der Entwicklung seiner Karriere in Richtung Vielseitigkeit durchaus zufrieden, wie er verriet.

"Wiener Zeitung": Mr. Craig, Sie drehen gerade den neuen Bond, und zuletzt sah man Sie in "Cowboys & Aliens", einem Actionfilm. Bleibt das Actionkino Ihr Zuhause?

Daniel Craig: Ich glaube nicht, dass ich mich festlegen lasse auf Actionrollen. Ich habe im Vorjahr "Die Abenteuer von Tim und Struppi" gemacht, und eben jetzt auch "Verblendung", die US-Version des Stieg-Larsson-Buches.

Bei Stieg Larsson kommt die Action ja auch nicht zu kurz, oder?

In "The Girl With the Dragon Tattoo"? Empfinden Sie es als Action, wenn es so etwas wie eine anale Vergewaltigung gibt? Natürlich kann man das als Action bezeichnen, aber ich habe das nie so gesehen. Ich spiele einen Aufdecker-Journalisten. Mein Rollenspektrum hat sich erweitert, und ich habe jetzt die Chance, Filme zu machen, die ich vor einigen Jahren niemals hätte drehen können. Sorry wegen der Anmerkung mit der analen Vergewaltigung, aber Sie kennen ja das Buch und die Referenz dazu.