Christian Ulmen (36) als 18-jähriger Schüler in "Jonas".
Christian Ulmen (36) als 18-jähriger Schüler in "Jonas".

Ein bisschen verloren und schüchtern wirkt der hagere, schmächtige Mann in diesem großen Konferenzzimmer. "Es ist das beste Zimmer für Interviews", sagt Christian Ulmen und zündet sich eine Zigarette an. Von der Decke scheinen dimmbare Filmspots, einer davon zaubert Ulmen einen Lichterkranz aufs Haar. "Das sieht nett aus, oder?", lacht er. Ja, wie eine Wärmelampe.

Ulmen, 36, nutzt hier am Kurfürstendamm in Berlin, unweit der Gedächtniskirche und des Bahnhofs Zoo, mit seiner Produktionsfirma "Ulmen Television" kreative Synergien. In dem Riesenbüro sind der Delphi Filmverleih und die Boje-Buck-Produktion, die Firma von Detlev Buck, untergebracht. Berührungspunkte zwischen Ulmen und den Unternehmen gibt es genug. Das ideale kreative Umfeld, für einen Mann, der viel produziert, unter anderem eine Late-Night-Show mit Benjamin von Stuckrad-Barre für ZDFneo, jede Menge Online-Formate und auch Werbung. Nur das, wofür Ulmen bisher berühmt war, das macht er nicht mehr: Moderieren.

Schnippisch kreativ


Damals in den 90ern hat Ulmen mit seiner unkonventionell schnippischen Art bei MTV den Moderationsstil revolutioniert. Später, nach ersten Filmauftritten als "Herr Lehmann" oder "Der Fischer und seine Frau", schlüpfte Ulmen in seinen TV-Sendungen in vielerlei Charaktere, mit denen er die Menschen auf der Straße zum Narren hielt. Anecken hieß die Devise, etwas, das im deutschen Fernsehen keiner so gut beherrschte wie Christian Ulmen. Doch auch damit ist es vorbei. Ulmen ist besonnener geworden, hat sich etwas in den Hintergrund zurückgezogen, werkt lieber an Kinofilmen und TV-Serien. Erst seine Blitzhochzeit mit der Ex-Viva-Moderatorin Collien Fernandes im Juni 2011 brachte Ulmen zurück in die Schlagzeilen, und zwar dorthin, wo er am wenigsten hin wollte: in den Boulevard. "Bunte", "Bild" und Co. konnten sich gar nicht sattsehen, an der hübschen Collien, von der es so viele Bikinifotos gibt, und dem daneben eher käsig wirkenden Entertainer. Ein optisch ungleiches Paar, aber - glaubt man dem Boulevard - die große Liebe.

Besonders wichtig für den Kreativen, sich auf die Arbeit zu konzentrieren: Drei Kinofilme sind derzeit im Werden, einer davon trägt den Titel "Jonas" und läuft schon diese Woche an.

Darin tritt Ulmen wieder selbst vor die Kamera, schlüpft diesmal in die Rolle eines 18-jährigen Schülers, der seinen verpatzten Abschluss nachholen will. Wie früher schon, wenn sich Ulmen verkleidete, nehmen ihm das alle ab, nehmen ihn alle für voll. Dass ein 36-Jähriger wie 18 aussieht, ist zwar ein kleines Kunststück der Make-up-Artists (aber dennoch nicht gelungen), jedoch: "Jonas ist tatsächlich die einzige Figur im Film, die nicht real ist - alle anderen sind echt", sagt Ulmen, der den Film im Dokustil in der Brandenburger Gesamtschule Paul-Dessau mit echten Schülern und Lehrern drehte. "Die Schüler hatten bald vergessen, dass rundherum Kameraleute waren und wir einen Film drehten, deshalb wirkt alles so authentisch", findet Ulmen. Und so besucht Ulmen alias Jonas täglich die Schule, plagt sich mit Algorithmen, bandelt mit der Musiklehrerin an und gründet eine Schulband. Ganz normaler Schulalltag.