Gary Oldman ist für seine Rolle als pensionierter Spion in diesem Jahr für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert. - © 2011 Focus Features
Gary Oldman ist für seine Rolle als pensionierter Spion in diesem Jahr für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert. - © 2011 Focus Features

Was dieser Film am besten kann, ist Stimmung zu transportieren. Ein Grauschleier, der sich über alles Bunte legt, als Illustration einer Zeit, die man heute als besonders farbenfroh in Erinnerung hat: Wenn die 70er Jahre in Film und TV wiederauferstehen, dann zumeist in kräftigen Gelb-, Orange- oder Rottönen, kombiniert mit einerfröhlichenErdigkeit von Braun, Sepia, Magenta oder Purpur.

Tomas Alfredson unterdrückt all das. Seine Verfilmung von "Dame, König, As, Spion", jenem Spionage-Thriller aus dem Werk von John le Carré, der 1979 bereits zu einer TV-Serie gemacht wurde, ist ein Stimmungsbild von ganz anderen, seltsam farblosen 70er Jahren. Die Geschichte spielt mitten im Kalten Krieg, damals, als die roten Knöpfe zum Abschuss der Atomraketen die farbenfrohesten Elemente waren. Der Rest ist gedrückte Stimmung, Hand in Hand gehend mit der politisch angespannten Lage: Auffallen geht gar nicht, man gibt sich lieber ein wenig gedämpfter. Und so gießt Regisseur Alfredson diesen spannenden Spionagethriller in ein üppiges, stylishes 70er-Dekor, gediegen entworfen von Maria Djurkovic, fotografiert von Hoyte van Hoytema in desaturierten, beinahe verstaubt wirkenden Bildern.

Der Anti-007


Das Konzept hat inhaltliche Gründe: Der bereits pensionierte Spion George Smiley (Gary Oldman, für diese Rolle Oscar-nominiert) wird 1973 reaktiviert - er soll einen Maulwurf in den eigenen Agenten-Reihen finden, der im britischen Secret Service sein Unwesen treibt und geheime Informationen an den russischen KGB weitergibt. Fünf Verdächtige hat Smiley ins Auge gefasst, doch die Aufklärung ist alles andere als konfliktarm.

"Dame, König, As, Spion" führt vor, dass das Agentenfilm-Genre lange viele Fehler gemacht hat, wenn es um eine akkurate BeschreibungdesBerufsstandes ging: Nicht die Technicolor-gefärbten Traumschauplätzeder James-Bond-Filme entsprechen diesem Beruf; vielmehr ist die Arbeit eines Geheimagenten stark in geschlossenen Räumen, geheimen Büros oder muffeligen Spelunken verortet: Nichts zeugt bei der Undercover-Arbeit vom strahlend-gleißenden Erscheinungsbild von 007. Der Geheimagent operiert unsichtbar, und deshalb fällt er am besten gar nicht auf. So wie auch die Darsteller in Alfredsons Verfilmung, die in ihren Trenchcoats und anthrazitfarbenen Sakkos so spießig aussehen, wie es ihre Deckung verlangt.

Insofern trifft Alfredson John le Carrés Vorlage mit Bravour; jedoch ist er schnell mit ihrem Handlungsreichtum überfordert: Auch in der TV-Serie war es schwer, dem komplexen Verwirrspiel zu folgen, doch nun muss das alles in nur 127 Minuten verstanden werden. Es ist dieses Verwirrspiel, woran die bis in die Nebenrollen mit Colin Firth, Tom Hardy oder John Hurt hervorragend besetzte Adaptionschließlichscheitert.Aber sie ist, desoptischenStils wegen, eine treffend genaue Bebilderung des ebenso kalten wie farblosen Systemkonflikts zwischen Ost und West.