Angelina Jolie ist jetzt nicht mehr nur Filmstar, sondern sogar schon Polit-Gast. Am Freitag traf Jolie in Berlin, wo sie heute ihr Regiedebüt "In the Land of Blood and Honey" vorstellt, auf Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle, der mit Jolie über ihr Engagement für das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, aber auch über ihr Regiedebüt sprach. Seit vielen Jahren reist Jolie in Krisengebiete und Flüchtlingscamps, was ihr während der Berlinale von der "Cinema for Peace"-Stiftung einen Ehrenpreis für ihren Einsatz gegen Krieg und Völkermord einbringen wird.

Ihr Regiedebüt handelt vom Krieg in Bosnien-Herzegowina. Jolie erzählt die Geschichte eines serbischen Offiziers und einer bosnischen Muslimin, die sich ineinander verlieben. Die Neo-Regisseurin zeigt in drastischen Bildern aber auch Massenvergewaltigungen, Exekutionen und Kindsmord.

Fotostrecke 0 Bilder

Premiere in Sarajewo am 14. Februar
"Ich wollte eigentlich nie Regie führen", so Jolie bei der überfüllten Pressekonferenz im Hotel Hyatt, "doch mir war diese Geschichte so wichtig, dass ich sie nicht aus der Hand geben wollte." Triebkraft für das Projekt waren Jolies Reisen: "Ich besuche seit zehn Jahren Konfliktregionen", sagt sie. "Das hat mich frustriert, vor allem wenn es um Gewalt gegen Frauen oder um tatenloses Zuschauen bei Kriegsverbrechen ging".  Dass ihr Film gerade um den Bosnien-Konflikt angesiedelt ist, hat mit Jolies Wunsch nach Aufklärung zu tun: "Ich war schon oft in dieser Region, konnte den Krieg aber niemals wirklich verstehen. Ich finde, die Menschen haben darüber viel zu wenig gesprochen".

Am 14. Februar wird Jolie den Film in Sarajewo zeigen. "Ich bin schon sehr nervös wegen dieser Premiere", sagt Jolie. "Ich werde wahrscheinlich dort sitzen und den ganzen Film lang durchheulen. Viele der Gäste sind ehemalige Kriegsopfer, das wird also eine sehr harte Filmpremiere für mich". In Serbien hat man unterdessen versucht, den Film verbieten zu lassen, weil er angeblich antiserbische Töne enthält. Doch Jolie verwehrt sich dagegen: "Das ist kein Dokumentarfilm, sondern eine künstlerische Interpretation der Ereignisse. Ich habe versucht, möglichst viele Aspekte und Sichtweisen zu integrieren, aber Krieg hat nun einmal verschiedene Gesichter. Besonders dieser".

Neue Standbeine für "Brangelina"
Die Presse reagierte auf "In the Land of Blood and Honey" eher verhalten. Der Film hat etliche dramaturgische Schwächen, über die man seines ehrenwerten Inhalts wegen vermutlich hinwegsieht. Jolies Zweitkarriere als Regisseurin korreliert im Übrigen mit einer neuen Beschäftigung ihres Lebensgefährten Brad Pitt: Der hat nicht nur einen Cameo-Auftritt im Film als sterbender Soldat, sondern schoss auch die Set-Fotos bei den Dreharbeiten. Hollywood berühmtestes Paar scheint sich also ganz langsam aus dem Scheinwerferlicht vor der Kamera zurück zu ziehen und neue Standbeine zu suchen.