Berlin. Um seinen neuen Film "Young Adult" zu promoten, reist Jason Reitman ("Juno") schon mal ins bitterkalte Berlin. Charlize Theron spielt in der Komödie mit dramatischem Tiefgang die C-prominente Kinderbuchautorin Mavis in New York, die – Mitte Dreißig – immer noch in den 90ern feststeckt, als sie das begehrteste It-Girl an der Schule war. Als sie erfährt, dass Buddy, ihre Higschool-Liebe von damals, zur Taufe seines Babys lädt, riskiert sie eine Reise zurück in ihre Heimatstadt, um ihn zurückzugewinnen.

"Ich will von jedem Film, den ich mache, auch selbst etwas lernen", sagt Jason Reitman im Gespräch mit der Wiener Zeitung. "Ich beschäftigte sich gerne mit Charakter-Entwicklung, und ich entwickle mich innerhalb eines Filmes auch immer mit den Figuren und lerne mich selbst besser kennen. Egal, ob es dabei um große Themen geht, wie zum Beispiel was unsere Aufgabe im Leben ist oder kleine Fragen, wie: Warum sind wir nicht glücklicher? Mit jedem Film habe ich außerdem das Gefühl, mich für irgendetwas zu entschuldigen. Mir gelingt ein Film am besten, wenn ich dabei etwas nach außen bringe, das mir selbst an meinem eigenen. Charakter peinlich ist. Selbstsucht, Narzissmus, sich in der eigenen Haut nicht wohl fühlen, sich mit der Welt um einen herum nicht verbunden fühlen, das interessiert mich. Das Gefühl, die Familie entgleitet einem, die Jugend. Oder einfach nur eine seltsame Beziehung zur eigenen Kindheit – das sind Dinge, die mir wichtig scheinen."

Midlife-Crisis der Männer

Mavis im Film ist ebenfalls eine Frau, die nicht erwachsen zu werden scheint – weil sie es einfach nicht besser weiß. Ein kollektives Phänomen der aktuellen Mitt-Dreißiger-Generation? "Definitiv", so Reitman. "Es gibt viele Filme über die männliche Midlife-Crisis, aber über die weibliche noch kaum. Das interessiert mich sehr, und ich kenne es außerdem aus eigener Erfahrung. Alle meine wichtigen Exfreundinnen waren um Jahre älter als ich, ich habe diverse Lebenskrisen oder Zustände also mehrmals miterlebt. Frauen heutzutage sind in ihrem Lebensplan zerrissen." Es ginge ihm keineswegs darum, ein Schema zu bedienen: "Ich zerstöre gerne die Erwartungen des Publikums", sagt er. Auch ein Grund, warum "Young Adult" kein Happy End birgt. "Das Leben bietet dir auch keine Happy-End-Garantie", so Reitman. "Das Publikum soll etwas Spezielles fühlen. Würde Mavis nach allem, was ihr passiert, plötzlich geläutert und eine andere Person werden, wäre die ganze Geschichte uninteressant und der Zuseher würde sich am Ende nur in seinen Erwartungen bestätigt fühlen, weil Erwartungen auch immer Hoffnungen sind."

Mit seinem neuen Projekt weckt Reitman definitiv Neugier: Er wird Quentin Tarantinos Kultthriller "Reservoir Dogs" neu inszenieren – mit einer komplett neuen Figurenkonstellation: "Wir ändern die Rasse der gesamten Truppe", so Reitman.