(az) Abseits von royalen Dramen à la "Farewell, My Queen" von Benoit Jacquot (Eröffnungsfilm) und "A Royal Affair" mit Mads Mikkelsen als königlicher Leibarzt Johann Friedrich Struensee waren Film und Vieh wieder eine fruchtbare Kombination, wie die Berlinale schon traditionell beweist.

Letztes Jahr tummelten sich allerlei Katzen auf der Leinwand, heuer schien die Giraffe das It-Tier zu sein, das es sogar bis in den Wettbewerb schaffte: In "Postcards From A Zoo" des indonesischen Filmemachers Edwin ist sie die erste Bezugs-"Person" für Lana, die in diesem Zoo nicht nur arbeitet, sondern auch groß geworden ist. In niedlichen, aber substanzlosen Bildern erzählt Edwin anhand dieses Mikrokosmos vom Makrokosmos menschlichen Lebens. Von vorneherein nicht weniger als episch angelegt ist dagegen das dreistündige "White Deer Plain" des Chinesen Wang Quan’an, der 2006 für "Tuyas Hochzeit" den Goldenen Bären gewann. Entlang der Fehde zweier Familien eines Dorfes unternimmt er die amüsante und launige Rekonstruktion der Veränderungen und Entbehrlichkeiten, die das Land zwischen dem Ende des Kaiserreichs und der Zeit der japanischen Invasion erdulden musste. Relativ tierfrei, trotz diverser Pferde - und Hühner, die ihr Leben lassen müssen.

Von Giraffen und Menschen


Ein (bald) totes Schwein dagegen stand in Bence Fliegaufs Wettbewerbsbeitrag "Nur der Wind" als Symbol für das unmenschliches Töten mehrerer Roma-Familien in Ungarn in den Jahren 2009 und 2010. Fliegauf will mittels konsequenter Close-ups Spannung und Beklemmung generieren, hat aber nicht wirklich etwas zu sagen. Stummfilm-huldigend war Miguel Gomes exzellenter Beitrag "Tabu", eine Variation von F. W. Murnaus Film von 1931 - und eine noch romantischere Kontemplation über Liebe und Menschsein. Die Beschäftigung mit der Frage, wie man Tiere wirklich betrachten kann, zog sich vor allem durch die Filme in der Sektion Forum, wo sich zwei besonders hervortaten: In "Francine" von Brian M. Cassidy und Melanie Shatzky findet eine 50-jährige, soeben aus der Haft entlassene Frau nur über Kontakt zu Tieren wieder in Richtung Leben.

Inwieweit das Tier an sich überhaupt filmisch zu erfassen ist, ohne auf Anthropomorphismen zurückzugreifen, untersucht der Kanadier Denis Côté in seinem unaufgeregt-provokanten Film-Essay "Bestiaire", das von der Zeichenklasse über den Taxidermisten bis zum Safari Park auf Tiere schaut und den Blick auf uns selbst zurückwirft. Und auch in der Generation 14-plus verpasste man den Trend nicht: Der bemerkenswerte Kinderfilm "Zarafa" handelt von der Freundschaft zwischen einem sudanesischen Jungen und . . . genau, einer Giraffe.