"Wiener Zeitung": Mr. Dujardin, was dachten Sie, als man Ihnen eine Rolle in einem Stummfilm anbot?
Jean Dujardin: Geht das überhaupt? Finanziell? Ich hatte Schiss, wie Charlie Chaplin sein zu müssen. Er war ein Genie, das kann ich doch nicht. Ich musste erst verstehen, was Michel (Hazanavicius, der Regisseur, Anm.) wollte: Eine emotionale Geschichte erzählen.

War der Umstieg auf stummes Schauspiel sehr schwierig?
Nein, ich habe beim Spielen ja trotzdem geredet, das hört man glücklicherweise nicht. Und wir arbeiteten mit Live-Musik am Set, das hilft enorm, jede Emotion zu multiplizieren.

Gab es bestimmte Stummfilmdarsteller, die Sie besonders inspiriert haben?
Douglas Fairbanks, Gene Kelly, Viktor Guzman, da habe ich mir viel abgeschaut, von Fairbanks am meisten. Ich mache alles wie er. Im Prinzip hat er ja immer die gleichen Filme gemacht, aber alle waren damit glücklich.

Käme man damit heute auch durch?
Es gibt auch heute genügend Leute, die immer dieselbe Rolle spielen. Aber Fairbanks war der erste amerikanische Held.

Wie war für Sie die Zusammenarbeit mit Filmhund Uggie?
Komischerweise sehr einfach. Der Trainer von Uggie hatte ihn total unter Kontrolle– und die Macht der Würstchen in dessen Tasche war natürlich nicht zu unterschätzen. Es musste aber viel improvisiert werden, zum Beispiel bei der Frühstücks-Szene, da musste ich nachmachen, was der Hund machte, nicht umgekehrt.

Ist die Komödie das Fach, in dem Sie bleiben möchten?
Man kennt mich vorwiegend aus der Komödie, weil sich dieses Genre besser verkauft, aber ich habe auch schon ernste Rollen gespielt und mag das. Mir ist bei einem Film die Chemie am Set wichtig. Ein Regisseur wird dann für zwei Monate mein Bruder, mein Vater, mein Freund, man liefert sich aus. Mir geht es nicht um mögliche Vermarktung in einer Hollywood-Maschinerie sondern um die Beziehung zu Menschen. Wenn ein Film das herstellen kann, dann bin ich gern dabei.