Das Grauen hat Michael Shannon im Film "Take Shelter" fest im Griff.
Das Grauen hat Michael Shannon im Film "Take Shelter" fest im Griff.

Schon den Bunker ausgehoben? Die Raketen aufgestockt? Oder sich zumindest für das Zombie-Bootcamp angemeldet? Es wird Zeit, denn der Untergang naht und nimmt man diese Tatsache erst einmal mit offenen Armen an, kann das durchaus für vergnügliche (letzte) Stunden sorgen. Vor allem das Kino ist ein verlässlicher Ort, um sich auf die drohende Apokalypse vorzubereiten, denn gerade in Zeiten der Krise ist die Filmproduktion um Katastrophen nicht verlegen. Während die Existenzangst boomt, wird der Kollaps im Kino zelebriert, Unsicherheit und Furcht vor dem Niedergang der Menschheit werden mühelos und kollektiv vervielfacht, und der Effekt ist nicht nur negativ zu sehen - gemeinsam stirbt man schließlich weniger allein.

Was also kann man aus dem Katastrophenkino lernen und zur Vorbereitung auf den bevorstehenden Weltuntergang nutzen? Im am Freitag anlaufenden Film "Take Shelter" zum Beispiel, wie man einen unterirdischen Schutzraum baut. Was Regisseur Jeff Nichols aber natürlich eher interessiert, ist die Frage, wie viel von dem tausendfach, medial verfütterten, unmittelbar bevorstehenden Unheil lediglich dazu dient, eine kollektive (und für einige Clevere, eine lukrative) Verderbens-Sehnsucht zu generieren, fast so, als brauche schließlich jeder ein Ziel im Leben - und sei es der Weltuntergang.

Er stürzt Schauspieler Michael Shannon in eine halluzinogene Paranoia, die ihn von der Apokalypse in Form von Unwettern fantasieren lässt und zeigt, wohin außer Kontrolle geratene Angstvorstellungen führen können. Shannons Figur riskiert sein Erspartes, seinen Job und selbst die Gesundheit seiner Tochter, weil er sich vom Grauen einfach nicht mehr losreißen kann, es ihm in all seinen Facetten - vom Kampf dagegen bis zur Faszination davon - regelrecht zur Lebensaufgabe wird.

Ironisches Antlitz des Todes


Hat man den Kinosaal nach dieser Vorstellung verlassen, könnte sich die Lektüre des Magazins "2012" anbieten, als Hilfe zur Selbsthilfe vorm Abheben etwa, ausgerechnet aus dem Hause Red Bulletin GmbH. Sinnigerweise bezeichnet sich das Heft als "das vielleicht letzte Magazin der Welt". Mit Slogans wie "Bevor es zu spät ist: Das Abo jetzt bestellen und erst am 22. 12. 2012 bezahlen - vielleicht" wirbt es für sich und ganz allgemein für einen ironischen Blick in das Antlitz des Todes. Auf seiner Facebook-Seite rechnet es zu Redaktionsschluss "noch 280" Tage vor, und eventuell nicht gerade vor den kommenden, letzten Morgenmahlen zu genießen sind die Geschichten und Fotostrecken, die es beinhaltet. Mit Standards wie "Die letzte Frage" oder Reportagen über "die postjugoslawische Identitätsapokalypse" kann es sich auch ganz in Schwarz gehaltene Covers wie "Sie haben nur noch ein Jahr zu leben" nicht verkneifen. Was "2012" wirklich hervorragend leistet, ist der Denkanstoß zur Reflexion auf das Leben.