Ein Sturm zieht auf, die Welt geht unter. Denkt zumindest Curtis (Michael Shannon) in "Take Shelter".
Ein Sturm zieht auf, die Welt geht unter. Denkt zumindest Curtis (Michael Shannon) in "Take Shelter".

Die Kritiken an Gesellschaft, Sozialverhalten oder Wirtschaftsauswüchsen sind gerade in Krisenzeiten wie diesen ein reichhaltiges Themenfeld. Vieles wird unverhohlen aufgerollt wie zuletzt etwa in "The Ides Of March" oder "Der große Crash". Anderes, aber auch symbolträchtig verklausuliert, wie in "Take Shelter". Hier weht die Metapher eines Tornados die Finanzkrise dialogmäßig hoch, der Mangel im US-Krankenversicherungssystem wird zum Teil des Geschehens, wenn es regnet, kommt ölige Flüssigkeit herunter.

Als Symbolträger fungiert Curtis LaForche (überzeugend Michael Shannon), ein Tiefbohr-Maschinist mit halbwegs gutem Einkommen, einer Frau und einer taubstummen Tochter, die operiert werden muss. Sein Leben wird durcheinander gewirbelt, als er von Alptraum-Szenarien geplagt wird, in denen ein Tornado die ganze Gegend vernichtet. Daraufhin beginnt er mit dem Bau eines Schutzbunkers, nicht nur zum Erstaunen seiner Frau, sondern seiner gesamten Umgebung. Denn Symptome für einen aufziehenden Sturm gibt es offenbar nur in seiner Vorstellung.

Existenzbedrohender Strudel an Vorkommnissen


Seine immer psychotischere Manie, den Bau so schnell wie möglich fertigzustellen, treibt ihn in einen Strudel, der seine gesamte Existenz zu verschlingen droht: Er verliert seinen Job, das Geld für die Operation seiner Tochter geht drauf, selbst seine Frau, die stets zu ihm gehalten hatte, beginnt zu zweifeln. Für ihn bleibt als einzige Option, die drohende Apokalypse zu überstehen und das nackte Überleben zu sichern, in Deckung zu gehen. Damit drängt sich bald die Frage auf, ist alles Wahn oder Wirklichkeit? Ist es das Innere, das mittels irrealer Visionen gegen die Außenwelt kämpft? Ist er Opfer der immer stärker um sich greifenden Paranoia, die in nicht mehr zu verarbeitenden Urängsten mündet?

Im Unterschied zu vielen Filmen, bei denen Träume nur wegen der Grusel-Effekthascherei eine Realität vorgaukeln und dann ins Fantastische abgleiten, wird hier direkt ins Unterbewusste abgetaucht, also in den Mittelpunkt des Sturms, um den sich alles dreht. Das führt aber auch zu massiven Selbstzweifeln, die auch dadurch genährt werden, dass die Mutter von Curtis unter Schizophrenie leidet. Auch Besuche beim Psychiater bringen nichts.

Natürlich ist es unmöglich, ein derart umfassendes Thema in einem einzigen Film unterzubringen, doch fallen zumindest die Andeutungen sehr präzise aus. Ein Gutteil der Spannung geht auf den Zuschauer über, weil er nie wirklich weiß, ob sich das Unwetter nur im Kopf zusammenbraut oder über das ganze Land.

Eine nicht leicht zu verdauende Allegorie, die zudem viel Geduld erfordert, weil sich der Regisseur massig Zeit zur Entwicklung dieser pessimistischen Weltschau nimmt. Damit es noch schwieriger wird, hat er sich eine Schlusswendung einfallen lassen, die kurz und verwirrend wiederum alles auf den Kopf stellt.