Junge Stammkundin im Plattenladen "Sound it out" in einem Städtchen im Norden Englands. Der gleichnamige Doku porträtiert Geschäft und Kunden. - © Foto: Jeanie Finlay
Junge Stammkundin im Plattenladen "Sound it out" in einem Städtchen im Norden Englands. Der gleichnamige Doku porträtiert Geschäft und Kunden. - © Foto: Jeanie Finlay

Im Mittelpunkt des Festivals "Crossing Europe" in Linz an der Donau steht das zeitgenössische und gesellschaftspolitische Autorenkino Europas sowie Highlights großer Festivals. Für die Eröffnung am Dienstag hat Festivalintendantin Christine Dollhofer vier Filme ausgewählt: den Dokumentarfilm "Six Million and One" des israelischen Filmemachers David Fisher, der sich mit seinen Geschwistern in Oberösterreich auf Spurensuche begibt; in Gusen, wo sich ein Außenlager des KZ Mauthausen befand und ihr Vater inhaftiert war.

Ferner wird die Literaturverfilmung "Wuthering Heights" der britischen Oscar-Preisträgerin Andrea Arnold gezeigt. Eine Romanze ohne Worte im Moorland von Yorkshire; die Leinwandadaption des gleichnamigen Romans von Emily Brontë. Ebenso zur Eröffnung läuft der Animationsfilm "Crulic - The Path To Beyond" der rumänischen Regisseurin Anca Damian, der das Festival ein "Tribute" widmet. "Crulic" erinnert an einen gleichnamigen in Polen fälschlicherweise inhaftierten jungen Mann, der in der Haft verstarb. Last not least ist zur Eröffnung der deutsch-schweizerische Endzeit-Thriller "Hell" von Tim Fehlbaum zu sehen; unter anderen mit Hannah Herzsprung und Lars Eidinger.

"Local-Artists"-Kurzfilmprogramme

In den sechs Festivaltagen stehen 146 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme auf dem Programm. Davon sind 22 Uraufführungen, 96 Österreich-Premieren. Im Wettbewerb für Debüt- und Zweitfilme ist ein Preisgeld von 10.000 Euro ausgeschrieben, weitere Programmsektionen sind der Arbeitswelt, dem Animationsfilm und dem Horrorkino gewidmet. In der Wettbewerbsreihe zeigt auch die schwedische Regisseurin Lisa Aschan ihr Erstlingswerk, die Teenager-Story "Apflickorna" ("She Monkeys") mit Mathilda Paradeiser (siehe unser Titelbild) und Linda Molin.

Neu sind heuer "Local-Artists"-Kurzfilmprogramme mit 13 Uraufführungen. Unter den Langfilmen der Sektion "Local Artists" mit 55 Produktionen ist eine Reihe von Doku-Premieren wie "Calle libre" von Jakob Kattner oder "Attwenger Fluxgigs", aufgenommen von Markus Binder mit einer Mobiltelefonkamera.

Fritz Kalmar, "Der Heimwehträger"

Lokalen Bezug (zu seinen Gestaltern) hat auch "Der Heimwehträger" von Erich Hackl und seiner Tochter Libertad Hackl. Sie porträtieren den gebürtigen Wiener Fritz Kalmar (1911 bis 2008), dessen Nachlass die Österreichische Exilbibliothek aufbewahrt. Er war als Präsident der Freien Österreicher in Bolivien, als Regisseur, Journalist und Erzähler einer der bedeutendsten Vermittler im lateinamerikanischen Exil. Eine weitere Doku mit Österreich-Bezug ist "Grenzfälle, erzählt von Robert Menasse" von Kurt Langbein.

Die britische Doku "Sound it out" von Jeanie Finlay widmet sich im nordenglischen Städtchen Teesside dem gleichnamigen raren Plattenladen und seiner bunten Klientel.