• vom 28.06.2012, 16:34 Uhr

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Update: 28.06.2012, 18:34 Uhr

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Es bleibt in der Familie




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Von Matthias Greuling

  • In "Copacabana" (im Kino) spielt Isabelle Huppert mit Tochter Lolita Chammah
  • Mutter und Tochter im Gespräch über ihre gemeinsame Filmerfahrung.

Mutter und Tochter in "Copacabana": Lolita Chammah (l.) und Isabelle Huppert. - © Polyfilm

Mutter und Tochter in "Copacabana": Lolita Chammah (l.) und Isabelle Huppert. © Polyfilm

Zwei Frauen mit demselben Schauspieler-Gen. Lolita Chammah, 29, Tochter der berühmten Isabelle Huppert, 59, ist noch ein eher unbeschriebenes Blatt. In ihrem Alter war ihre Mutter bereits ein Star, hatte mit "Violette Nozière" (1978) mit 25 ihren Durchbruch. Lolita Chammah lässt ihre Karriere langsamer angehen, hat einige Kurzfilme gedreht und ein wenig Theater gespielt, ehe sie nun erstmals gemeinsam mit ihrer Mutter für die Komödie "Copacabana" vor der Kamera stand.

"Meine Mutter ist für mich ein großes Vorbild", sagt Chammah. "Ich habe sie schon als Kind ans Set begleitet, habe ihre Filme gesehen und war mir anfangs nicht sicher, ob ich auch so ein Leben führen will. Aber mit der Zeit entwickelte sich bei mir eine Leidenschaft für den Beruf. Meinen ersten Film drehte ich mit 15, und da ist man ja noch kein fertiger Mensch. Um beim Film bestehen zu können, braucht man viel Kraft, denn das Business kann brutal sein."


Der Film wirkt da wie ein Gegenentwurf, denn Lebensreife hat nicht zwingend mit dem Alter zu tun. Babou (Isabelle Huppert) hält nichts von einem geordneten Leben; vielmehr tingelt sie ungebunden durchs Leben. Arbeit oder Ehe würden sie massiv einschränken. Die Welt lacht sich kaputt über sie, aber das ist Babou egal.

Ihre Tochter Esméralda (Lolita Chammah) ist das genaue Gegenteil der Mutter: Sie wird bald heiraten, der Sicherheit wegen. "Ich bin nicht so", sagt Chammah. "Aber ich verstehe sie. Viele Menschen suchen heute Sicherheit im Leben, heiraten deshalb früh und versuchen, sich eine durchorganisierte Umgebung aufzubauen."

Geht es nach Esméralda, soll Babou lieber nicht bei der Hochzeit auftauchen, um Peinlichkeiten zu vermeiden. Babou kränkt das; sie will ihr Leben in den Griff bekommen und findet eine Stelle bei einer Immobilienfirma in Ostende. Sie will ihrer Tochter beweisen, dass sie lebensfähig ist. Und nebenbei hofft sie auf genug Geld, um endlich ihren Lebenstraum verwirklichen zu können: an der Copacabana in Brasilien zu leben.

Große Träume und viel Idealismus
"Babou ist sehr couragiert und beschwert sich nicht über ihre Lebensumstände", sagt Isabelle Huppert. "Das Leben ist nicht für alle Menschen toll. Das System unserer Arbeitswelt bevorzugt wenige und benachteiligt viele - das ist die Grundaussage des Films." Babou als spätes Rollenmodell der einstigen 68er-Bewegung? "Durchaus", sagt Huppert, "und ich bemerke, dass diese Art, das Leben zu sehen, wieder zurückkommt. Es gerät zunehmend aus der Mode, immer nur ein egoistischer Einzelkämpfer zu sein und sich bloß um sein Geld zu scheren. Es gibt eine Art Comeback des Idealismus. ‚Copacabana‘ ist eine Sozialkomödie, es geht um Menschen, die ein grundsätzlich weniger tolles Leben führen, die aber große Träume haben und etwas für deren Verwirklichung tun."

Jene Huppert, die man aus vielen französischen Dramen kennt, mit eiskalter, mitunter verbitterter Miene, die hat Regisseur Marc Fitoussi für "Copacabana" auf Urlaub geschickt. Denn diesmal tanzt sie ausgelassen zu brasilianischer Musik und tritt in so manches Fettnäpfchen, ist unbekümmert und lebenslustig, hat Humor und teilt ihn auch mit dem Publikum. Über die Huppert lachen? Ja, das geht!

"Mir hat das gefallen", sagt Huppert. "Ich wähle meine Rollen immer nach der Qualität der Charaktere. Dann stelle ich mich vor die Kamera und spiele es einfach. Ich drehe auch oft mit Erstlingsregisseuren, weil ich es mag, überrascht zu werden. Das macht doch den Reichtum des Kinos aus."

Berührungsängste bei der Zusammenarbeit mit der eigenen Tochter gab es nicht: "Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich nun mit meiner Tochter spiele oder mit jemand anderem. Das beeinflusst die professionelle Arbeit an einer Rolle gar nicht", meint Huppert. "Ich kenne keine Angst vor Filmprojekten. Das ist mein Job. Meine Ängste liegen woanders. Zum Beispiel bekomme ich Panik in Aufzügen. Weshalb ich meistens die Treppen nehme. Zur Sicherheit. Und ich erspare mir dadurch natürlich auch das Fitnesstraining."


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-06-28 16:41:07
Letzte Änderung am 2012-06-28 18:34:35


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