Prolokomödie "Friday Night Horror": Die Politessen jagen einen Serienmörder. - © Einhorn Film/Sauerstein
Prolokomödie "Friday Night Horror": Die Politessen jagen einen Serienmörder. - © Einhorn Film/Sauerstein

Wien. Vielleicht war die Goldene Palme für Michael Haneke für lange Zeit die letzte große Ehrung für die filmische Hochkultur; eine Hochkultur, die man sich in Österreich in den letzten 15 Jahren mühevoll aufgebaut hat und hinter der ein komplexes Filmförderungssystem steht, das - eng verzahnt mit dem ORF - die Filmkunst überhaupt erst ermöglichte.

Doch es weht ein neuer Wind in den Gremien: Dort steht man jetzt offenbar auch auf Kommerz. Deutlich ist jedenfalls die Zunahme bei geförderten Projekten, in denen Zombie-Horror und Lederhosengaudi herrschen. Das neue Österreich-Bild?

"Wesentlich ist für uns die Balance. Genrefilme gehören genauso zum breiten Spektrum des Filmschaffens wie das Kunstkino", sagt Roland Teichmann, Direktor des Österreichischen Filminstituts (ÖFI), wo mit 16,5 Millionen Euro der größte heimische Filmfördertopf steht.

Ein Schwenk in Richtung Kommerzkino? "Nein. Aber es wurden in letzter Zeit deutlich mehr Genre-Stoffe eingereicht." Haben viele Filmemacher selbst also keine Lust mehr auf anspruchsvolles, dramatisches Kino?

Abgelehnt und doch gefördert


Dass der ORF, der mittels Film-/Fernsehabkommen praktisch jede österreichische Kinoproduktion mitfinanziert, bei der offensichtlichen Neuausrichtung der Förderung eine tragende Rolle spielt, zeigte sich kürzlich, als ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner mit Nachdruck (manche behaupten: via Intervention) eine Neueinreichung des zuvor vom ÖFI abgelehnten Kino-Projekts "Im weißen Rössl" durchsetzte. Der Musikfilm, der von einer jungen Berlinerin handelt, die sich im Salzkammergut in die Heimatfilmzeit der 50er Jahre zurückversetzt fühlt, wird vom ÖFI nun doch mit 100.000 Euro gefördert. Weiteres Geld kann nun aus der ORF-ÖFI-Kommission zugeschossen werden. "Ich sehe diesen Stoff sehr kritisch", sagt Teichmann zur "Wiener Zeitung". "Ich bin skeptisch, ob der Film funktioniert, aber man kann sich ja auch täuschen." "Im weißen Rössl" sei daher vom ÖFI "vor allem aus produktionswirtschaftlichen Gründen" gefördert worden: "Durch den Dreh in Österreich entsteht Wertschöpfung", meint Teichmann, der trotzdem nicht glücklich mit der Entscheidung wirkt: "Man könnte das Projekt natürlich auch als reine Fernsehproduktion realisieren."