Woody Allen mag Beige. Und Braun und Wollweiß. Fast immer hat er - bei öffentlichen Auftritten oder in einem seiner Filme - einen Anzug und ein Hemd dieser Farbe an. Auch in "To Rome With Love" ist das nicht anders, wo er wieder selbst vor der Kamera steht. "Ich falle nicht gern auf", sagt der Regisseur dazu. In dieser Komödie über Amerikaner und Italiener, die einander in verstrickten Episoden begegnen, spielt er neben Alec Baldwin, Penelope Cruz, Jesse Eisenberg, Ellen Page und Roberto Benigni einen Musikproduzenten, der die Opern-Sing-Begabung eines leidenschaftlichen Warmduschers (sic!) entdeckt.

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"Ich falle nicht gern auf", sagt Regisseur Woody Allen und kleidet sich gedeckt, bevor er duscht. - © Tobis
"Ich falle nicht gern auf", sagt Regisseur Woody Allen und kleidet sich gedeckt, bevor er duscht. - © Tobis

"Wiener Zeitung": Dieser Film ist der letzte in einer Reihe, die Sie durch viele europäische Städte geführt hat, von Barcelona über London und Paris, nach Rom. Was war der Grund für diese Tour de Film?

Woody Allen: Geld. Von "Vicky Christina Barcelona" über "Midnight In Paris" bis zu diesem Film war es immer so, dass mich jemand aus der jeweiligen Stadt angerufen hatte und mir die Finanzierung des Films versprach, sofern ich ihn in dieser Stadt drehen würde. Ich sagte natürlich jedes Mal Ja, denn ich habe immer wieder immense Schwierigkeiten, einen neuen Film zu finanzieren.

In diesem Fall bin ich für ein paar Monate nach Rom gezogen, um mir dort eine Geschichte einfallen zu lassen. Ich habe überlegt: Woran denke ich, wenn ich an Rom denke? Mir fällt da die Aufregung ein, die in den Straßen herrscht, dass sich das Leben draußen abspielt, der Verkehr, der Lärm, das entspannte Chaos. Rom ist eine Stadt, in der man sich leicht verirren kann, die Römer sind keine bescheidenen Leute, sie lieben ihr Essen, ihre Politik, ihre Oper, ihre Frauen, ihre Mode, ihre Architektur, das Leben. Ich wollte im Film möglichst viele Charaktere unterbringen, um das widerzuspiegeln.

Ich finde es erstaunlich, dass Woody Allen sagt, er habe bei jedem neuen Film Probleme, dafür Geld aufzustellen.

Das ist aber so. Sie dürfen nicht vergessen, dass kaum einer meiner Filme wirklich ein Erfolg an den Kinokassen war. Obwohl "Midnight In Paris" wirklich viel Geld gemacht hat - sehr ungewöhnlich für meine Art von Filmen. Aber selbst danach war nicht eine einzige Person bereit, mir für den nächsten Film Geld zu geben. Dabei gebe ich ohnehin immer so wenig aus. Das durchschnittliche Budget für einen Hollywoodfilm liegt zwischen 40 und 200 Millionen Dollar. Ich brauche maximal 18 Millionen Dollar, oft weniger. Hätte mich Rom nicht eingeladen, diesen Film zu machen, hätte ich jetzt gar keinen gemacht.

Sie zeigen in Ihren Filmen immer eine sehr idealisierende Sicht auf die Städte, in denen sie spielen.

Ja, so bin ich. Mindestens seit "Manhattan" haben mir schon unzählige Leute gesagt "Aber das New York in Ihren Filmen ist doch gar nicht wie New York". Realismus interessiert mich nicht. Ich mag diese großen Städte und ich romantisiere sie, ich sehe sie durch die rosarote Brille. Wenn ich in einer Stadt bin, will ich kein Museum oder keine Kirche besichtigten, sondern durch die Straßen gehen, mich umsehen und ein Gefühl für die Atmosphäre bekommen. Im Film tauche ich alles in goldene, warme, erdfarbene Töne. So als wenn man sich in einem schönen Restaurant bei gedimmtem Licht in den Spiegel sieht: Man sieht dann immer toll aus, das ist ein schönes Gefühl.

Sollen Filme ein schönes Gefühl vermitteln?

Meine schon, ja. Man kann auch schlimme Dinge auf schöne Weise sagen. Oft schmerzt das sogar mehr. Aber ich bin Hypochonder, natürlich will ich die Wahrheit nicht in nüchternen Fakten.

Ist es Liebe, die in Ihren Filmen am meisten Schmerz verursacht?

Bestimmt, denn jeder ist ein Versager, was die Liebe angeht. Die intelligentesten Menschen tun die dümmsten Dinge, wenn es um Liebe geht.

Wie war es für Sie, hier wieder selbst vor der Kamera zu stehen?

Schön, ich mag das ja gerne, aber ich weiß, ich bin kein Don Juan mehr. Während ich dieses Skript geschrieben habe, war ein Teil von mir schon mit dem Gedanken beschäftigt, dass ich diese Rolle spielen könnte. Warum nicht? Sicher, als ich jünger war, konnte ich in jedem Film, den ich geschrieben habe die Hauptrolle spielen. Jetzt muss ich die Rolle des Vaters übernehmen. Wenn mir keine Geschichte mit einem Vater einfällt, habe ich Pech.

Der Musikproduzent, den Sie spielen, will nicht in Pension gehen. Wie halten Sie es damit?

Ich fürchte mich nicht vor dem Aufhören, aber ich kann momentan nicht. Ich habe Freunde, die in Pension gegangen sind und es lieben: Sie gehen fischen, schlafen lange, spielen Karten mit Freunden und Enkeln, reisen. Aber das würde mich jetzt nicht interessieren. Ich stehe in der Früh auf, bringe meine Kinder in die Schule, komme heim und mache ein bisschen Sport, und dann arbeite ich. Ich liebe es, zu arbeiten. Es ist mir keine Last, ich verfluche es nicht. Ich freue mich jeden Tag auf die Arbeit. Aber wer weiß, vielleicht habe ich eines Tages zum Beispiel einen Schlaganfall und kann nicht mehr Regie führen oder es gibt mir endgültig niemand mehr Geld für meine Filme, dann werde ich gezwungen sein, aufzuhören. Aber nicht solange es meine Gesundheit und Geldmittel mir erlauben, zu arbeiten. Ich mache Filme auch, um mich abzulenken. Von dem Gedanken, dass das Leben ohnehin keinen Sinn hat und wir sowieso alle sterben, möglicherweise von einer Sekunde auf die andere. Filme zu machen ist die für mich therapeutischste Art, meine Zeit zu verbringen.