Da, wo die Luft dünn wird, da ist Reinhold Messner zuhause. Hoch droben auf den Gipfeln der Achttausender, die er alle bestiegen hat. Noch immer, mit mittlerweile 68, ist dieser weltbekannte Mann nach Bergen süchtig. "Ich wollte immer an die Grenzen gehen", sagt er beim Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Ich habe dafür große Risiken auf mich genommen. Mein ganzes Leben war nichts anderes als Risikomanagement. Mein Grundsatz lautet, das Können ist des Dürfens Maß. Und mir erlaubt schon meine Angst nicht, etwas zu machen, das zu gefährlich ist. Aber ein Restrisiko bleibt immer."

Ein neuer Film über Messner kommt jetzt in die Kinos, eine Doku, die seinen Werdegang detailliert nachzeichnet und die - in fantastischen Bildern schwelgend - den Alpinismus als solchen feiert. "Messner" (ab 5. 10. im Kino) von Andreas Nickel erzählt aber auch von den Misserfolgen des Bergsteigers: die vielen fehlgeschlagenen Versuche, die es brauchte, bis alle Spitzen dieser Welt erklommen waren; die schmerzlichen Verluste, die er hinnehmen musste, auf dem Weg dorthin. Und damit ist nicht nur sein Bruder Günther gemeint, den Messner 1970 am Nanga Parbat verlor. Sondern auch andere Bergsteiger, deren Tode ihn letztlich zum Einzelgänger in vielerlei Hinsicht machten: "Ich entschied, nur mehr allein auf die Berge zu gehen, denn dann bin ich nur mehr für mich selbst verantwortlich", so Messner im Film.

Zwischen Bravour und Leichtsinn liegt nur ein schmaler Grat, das wird nirgendwo deutlicher als im Extrem-Alpinismus, so wie ihn Messner betrieben hat. Gerade erst starben 12 Bergsteiger am nepalesischen Manaslu. Geführte Aufstiege in die Unbarmherzigkeit der Natur: Eine zur Perversion verkommene Form des Alpin-Tourismus? "Das würde ich nicht sagen", meint Messner. "Es ist einfach eine neue Form des Tourismus. Heute ist es möglich, dass man so eine Reise bucht, und dann sind vor Ort Sherpas, die den Weg präparieren, die fixe Seile hängen, die die Lager aufbauen, und die Teilnehmer werden dann auf einer Art Piste auf den Berg geführt. Das ist immer noch anstrengend, es ist nicht besonders schwierig, aber immer noch gefährlich, wenn zum Beispiel Lawinen abgehen. Mit Abenteuer haben diese organisierten Reisen wenig zu tun, ich nenne das Pistenalpinismus, es ist nicht schlecht und nicht gut, aber es ist eben Tourismus. Der wirkliche Alpinismus beginnt dort, wo der Tourismus aufhört. Aber wenn der Tourismus am Gipfel des Mount Everest aufhört - wo beginnt dann Alpinismus?"