Jürgen Vogel, Charaktergesicht: "Alles Gute und Böse geht von mir selbst aus." - © Matthias Greuling
Jürgen Vogel, Charaktergesicht: "Alles Gute und Böse geht von mir selbst aus." - © Matthias Greuling

Ein Unfall im hohen Norden Norwegens, zwischen Eismeer und Polarnacht: In der Dunkelheit fährt Maria (Birgit Minichmayr) etwas an; unsicher begeht sie Fahrerflucht und beichtet ihrem Mann Niels (Jürgen Vogel). Als am nächsten Tag das Ausmaß des Unfalls klar wird - ein junges Mädchen wird im Dorf vermisst - bricht für das deutsche Ehepaar, das sich hier in der Fremde eine Existenz aufgebaut hat, eine Zeit voller Schuldgefühle und Selbstvorwürfe an. "Gnade" von Regisseur Matthias Glasner (ab Freitag im Kino) verhandelt, famos besetzt, die eigene Hilfslosigkeit in Extremsituationen, die Unsicherheit im Umgang mit Schuld und die Hoffnung auf erlösende Gnade. Die "Wiener Zeitung" traf Hauptdarsteller Jürgen Vogel zum Gespräch.

*****

"Wiener Zeitung": Regisseur Matthias Glasner schätzt an Ihnen, dass Sie ein "Nicht-Schauspieler" sind. Was meint er damit?

Jürgen Vogel: Ich bin mir nicht sicher, vielleicht, dass ich mich einfach auf die Rolle einlasse, ich denke nicht so viel nach. Darin habe ich meine Form gefunden. Aber auch ich arbeite gern mit Schauspielern, die ganz anders an die Arbeit herangehen. Ich sehe mich als Autodidakt und meine Methode ist einfach.

Er meinte auch, als Action-Darsteller wären Sie toll...

Ja, damit hat er schon recht, das liegt mir, aber Actionrollen auf gutem Niveau gibt es in Deutschland nicht viele.

Mit Ihrer Kampfsport-Ausbildung wären Sie dafür optimal geeignet.

Das Gute ist, während des Kämpfens merkt man, was funktioniert und was nicht - und so ist es für mich beim Schauspielen auch: Ich kann vorher gar nicht theoretisch durchdenken, wie und was ich machen werde und welche Möglichkeiten es gibt, weil ich sie gar nicht spüre, ich tue es einfach, und der direkte Weg ist immer der beste, finde ich. Denn mein Verständnis von Schauspiel ist ja nicht, den Menschen etwas vorzuspielen und ihnen zu zeigen, wie toll ich bin. Sondern wir wollen Geschichten erzählen, die glaubhaft und nah dran an den Emotionen sind. Theoretisierung der Schauspielkunst führt oft dazu, dass zugleich auch eine Distanzierung stattfindet zu der Figur, die man spielt. Das finde ich völlig falsch. Ich komme als ich selbst ans Set, ich kann mir nicht vorstellen, es anders zu machen.