• vom 19.11.2012, 20:22 Uhr

Film

Update: 21.11.2012, 16:09 Uhr

Susanne Bier

"Ich sitze zwischen den Stühlen"




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Von Matthias Greuling

  • Filmemacherin Susanne Bier über Krebs, ihren Oscar und James Bond.

"Love Is All You Need" mit Pierce Brosnan, Trine Dyrholm. - © Foto: Filmladen

"Love Is All You Need" mit Pierce Brosnan, Trine Dyrholm. © Foto: Filmladen

Wien. Susanne Bier ist seit ihrem Oscar für "In einer besseren Welt" (Bester fremdsprachiger Film 2011) eine ziemlich umworbene Filmemacherin im (Unterhaltungs-)Kino. Doch die ihr angebotene US-Stangenware will sie nicht verfilmen. Stattdessen hat sie sich als Nachfolgeprojekt "Love Is All You Need" (ab Freitag im Kino), eine romantische Komödie mit dramatischen Faktoren, erwählt: Ida (Trine Dyrholm) hat man bei einer Brustkrebs-OP beide Brüste abgenommen. Das Schicksal straft sie doppelt, als sie, aus dem Krankenhaus kommend, ihren Mann mit einer Blondine im Bett ertappt. "Ich dachte, du bist bei der Chemo, Schatz", lautet dessen lapidare Reaktion, doch für Ida bricht die Welt endgültig zusammen. Die bevorstehende Hochzeit ihrer Tochter Astrid (Molly Blixt Egelind) in Italien bringt Ida schließlich mit dem Vater des Bräutigams zusammen: Der smarte Geschäftsmann Philip, sehr 007-lastig gespielt von Pierce Brosnan, wird zur Familie gehören, aber Ida und Philip teilen bald mehr als nur familiäre Zuneigung.

"Das Schöne ist der Weg"
"Mit wem will man denn in so einer Situation sonst zusammenkommen?", fragt Susanne Bier beim Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Natürlich wünscht man sich einen smarten James Bond an seiner Seite! Das Schöne an romantischen Komödien ist ja nicht, dass es am Ende eine Überraschung gibt, wer mit wem zusammenkommt. Das weiß man schon von Beginn an. Das Schöne ist der Weg dorthin. Also das Wie."

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Dennoch ist Biers Weg, eine Komödie vor dem ernsten Hintergrund einer Krebserkrankung zu erzählen, ungewöhnlich in diesem Genre. "Ich denke, die Zeit ist reif für gute Komödien. Wobei ich nichts von diesen romantischen Komödien halte, in denen einem zwei 25-jährige, gut aussehende Menschen in Designer-Kleidern, tollen Autos und Top-Jobs die große Liebe vormachen. Das finde ich zutiefst langweilig. Hingegen finde ich Filme toll, die eine gewisse Hoffnung transportieren und sich auch nicht scheuen, auf eine sanfte Art mit wirklich furchterregenden Themen wie Krebs umzugehen. Deshalb habe ich diesen Film gemacht."

Bier hat nach dem Oscar viele Angebote aus den USA abgelehnt, "weil ich nicht die erstbeste Gelegenheit ergreifen wollte. ‚Love Is All You Need‘ war schon vor dem Oscar geplant, und ich verlasse den Weg nicht, den ich für richtig halte. Ich treffe die Entscheidungen über meine Projekte immer aus dem Bauch heraus, ich denke darüber nicht nach. Eine Geschichte muss mich packen. Ich habe nie aus Karrieregründen gedacht, jetzt solltest du vielleicht einmal diesen oder jenen Film machen, weil es dir nützt", meint die Dänin, deren Film von Lars von Triers Zentropa Studio hergestellt wurde.

Damit hören sich die Gemeinsamkeiten der beiden Regisseure allerdings schon auf: "Ich sitze ein bisschen zwischen den Stühlen. In Hollywood würde man jeden meiner Filme als Kunstkino bezeichnen. In meiner Heimat Dänemark gelte ich dagegen als Mainstream-Regisseurin. Das ist eine Art von Niemandsland, in dem ich operiere. Es ist also nicht so, dass man mir in den USA eine ganze Reihe von Actionfilmen anbieten würde, in denen es nur Verfolgungsjagden gibt." Das hat für Bier aber nichts damit zu tun, dass sie sich die Inszenierung von Action nicht zutrauen würde; es ist ihr anderer Zugang zum Kino, der dies verhindert: "Ich weiß nur, dass ich, wenn ich einen Actionfilm sehe, in dem eine Verfolgungsjagd stattfindet, nur darauf warte, dass die ihre Autos abstellen und zu reden beginnen."




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Susanne Bier, Film

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-11-19 16:29:09
Letzte Änderung am 2012-11-21 16:09:00


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