Valletta/Wien. Am 1. Dezember werden in der maltesischen Hauptstadt Valletta zum 25. Mal die Europäischen Filmpreise verliehen. Österreicher sind dabei in Mannschaftsstärke vertreten, allen voran Regisseur Michael Haneke mit seinem bereits in Cannes mit der Goldenen Palme gekürten Werk "Amour" ("Liebe"). In gleich sechs Kategorien darf Haneke auf eine Auszeichnung hoffen. Dicht darauf folgen mit je fünf Nominierungen Steve McQueens "Shame" (Großbritannien) und Thomas Vinterbergs "Die Jagd" (Dänemark). Insgesamt drei Nominierungen bekam der französische Überraschungserfolg "Ziemlich beste Freunde" von Olivier Nakache und Eric Toledano.

Hanekes "Amour" ist als Bester Film nominiert und muss dabei mit "Barbara" des Deutschen Christian Petzold, "Shame", "Die Jagd", "Ziemlich beste Freunde" und "Cäsar muss sterben" der Italiener Paolo und Vittorio Taviani um die Auszeichnung rittern. Überdies ist "Liebe" für das beste Drehbuch und die beste Kamera nominiert, Haneke selbst als bester Regisseur und auch Emmanuelle Riva sowie Jean-Louis Trintignant dürfen als Hauptdarsteller auf eine Trophäe hoffen. Haneke werde ebenso wie Kulturministerin Claudia Schmied und Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (beide S) vor Ort die Daumen drücken, so Hanekes Produzent Veit Heiduschka gegenüber der APA.

Beste Hauptdarstellerin
In der Sparte Beste Schauspielerin darf sich mit Margarethe Tiesel auch eine Österreicherin Hoffnungen auf den Sieg machen: Sie ist als Hauptdarstellerin in Ulrich Seidls "Paradies: Liebe" nominiert und wird ebenfalls für die Gala nach Malta fliegen. Und als weiterer österreichischer Vertreter macht sich Albert Sackl Hoffnungen auf eine Auszeichnung. Mit seinem 23-minütigen Experimentalfilm "Im Freien", bei dem der Steirer drei Monate Filmaufnahmen eingedampft hat, um das Verhältnis von Zeit und Raum, Körper und Welt auszuloten, ist der Regisseur in der Kategorie bester Kurzfilm nominiert.

Verliehen werden die Europäischen Filmpreise seit 1988, wobei sie bis 1997 unter dem Titel "Felix" firmierten. Zunächst wird eine Longlist mit 40 Spielfilmen vorgeschlagen, die zwischen dem 1. Juli des vorangegangenen und dem 15. Juni des laufenden Jahres auf Festivals oder im Kino gezeigt wurden. Über die Nominierten stimmen die rund 2.500 Mitglieder der Europäischen Filmakademie ab. Die Shortlist der Nominierungen wird dann traditionell beim Filmfestival von Sevilla bekannt gegeben. Im Anschluss stimmen die Filmakademiemitglieder in einem zweiten Wahlgang über die verbliebenen Werke ab.

Die Preisverleihung im Dezember findet an wechselnden Standorten statt, wobei Berlin als Sitz der Filmakademie bereits elfmal die Gala ausrichtete. Heuer wird der europäische Filmtross am Samstag erstmals seine Zelte in Malta aufschlagen.

Die Nominierungen

Die Nominierungen für den Europäischen Filmpreis 2012:

Bester Film:
"Barbara" von Christian Petzold (Deutschland)
"Liebe" von Michael Haneke (Österreich)
"Shame" von Steve McQueen (Großbritannien)
"Die Jagd" von Thomas Vinterberg (Dänemark)
"Cäsar muss sterben" von Paolo und Vittorio Taviani (Italien)
"Ziemlich beste Freunde" von Olivier Nakache und Eric Toledano
(Frankreich)