Valetta. Und schon wieder ein Erfolg für das österreichische Kino: Bei der Gala des Europäischen Filmpreises, die Samstagabend in der maltesischen Hauptstadt Valetta von der Europäischen Filmakademie abgehalten wurde, konnte Michael Haneke gleich vier Auszeichnungen entgegen nehmen.

Nominiert in sechs Kategorien, darunter als bester Regisseur und für den besten Film mit "Amour", wurde er in beiden Kategorien gewürdigt, außerdem erhielten seine Darsteller Emmanuelle Riva und Jean Louis Trintignant die Preise als beste Schauspieler. Haneke bedankte sich vor allem auch bei seiner Frau Susanne: "Susi. Danke, dass du mich immer unterstützt."

Haneke war unter anderem in den Kategorien beste Regie und bester Film gegen den Dänen Thomas Vinterberg und seinen Film "Die Jagd" angetreten, der, gemeinsam mit Tobias Lindholm, schließlich für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde.

Anders als in Cannes im Mai dieses Jahres, wo Haneke bereits zum zweiten Mal mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, war diesmal auch die österreichische Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, Claudia Schmied zugegen: "Ich freue mich, dass ich hier sein kann", sagte sie im Gespräch mit der Wiener Zeitung. "Es ist eine große Auszeichnung für Michael Haneke, aber auch für Margarethe Tiesel und Albert Sackl, beim Europäischen Filmpreis nominiert und gewürdigt worden zu sein."

Tiesel war unter anderem neben Emanuelle Riva ("Amour") und Nina Hoss ("Barbara")  als beste Schauspielerin nominiert gewesen; der Steirer Albert Sackl war mit seinem 23-minütigen Experimentalfilm "Im Freien" in der Kategorie bester Kurzfilm ins Rennen gegangen, bei dem er drei Monate Filmaufnahmen eingedampft hat, um das Verhältnis von Zeit und Raum, Körper und Welt auszuloten. Er musste sich dem Rumänen Tudor Giurgiu ("Superman, Spiderman or Batman") geschlagen geben.

Gegenstück zu den Oscars
Der Europäische Filmpreis, der als Gegenstück zu Hollywoods Oscars gilt, auch wenn er eher dem Arthouse-Kino zugeneigt ist, ist gerade im Fall Hanekes nun ein kleiner Indikator für seine Chancen, im Jänner letztendlich auch eine neuerliche Oscar-Nominierung zu erhalten.

Den anhaltenden internationalen Erfolg des österreichischen Films begrüßt Schmied natürlich sehr, und sie sieht sich auch aktiv unterstützend: "Ich bin froh, dass es gelungen ist, das im Regierungsprogramm festgehaltene Versprechen einzuhalten und das ÖFI-Budget aufzustocken, mittlerweile auf 20 Millionen Euro", so Schmied zur WZ. "Zudem setzen wir viele Aktivitäten im Vermittlungsbereich. Die Produktionsförderung für den Film die eine Sache, aber ebenso wichtig ist, dass möglichst viele Menschen den Film dann auch sehen können." Genau darin sehe aber auch sie selbst Handlungsbedarf von seiten des ORF: "Man muss den ORF noch mehr motivieren, hier seinen Anteil am Vermittlungsprogramm zu leisten. Definitiv ist die ORF-Präsenz des österreichischen Films ausbaubar."