• vom 04.12.2012, 17:32 Uhr

Film

Update: 04.12.2012, 17:38 Uhr

Kino

Eine Freundin (er)finden




  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Matthias Greuling

  • Die Independent-Komödie "Ruby Sparks" mit Zoe Kazan und Paul Dano kommt ins Kino
  • Schauspielerin Zoe Kazan im Gespräch über ihr Debüt als Drehbuchautorin.

Zoe Kazan ist die lebendig gewordene Schriftsteller-Fantasie in "Ruby Sparks". - © ABCF

Zoe Kazan ist die lebendig gewordene Schriftsteller-Fantasie in "Ruby Sparks". © ABCF

Für Lebenszustände wie Einsamkeit, Stress, Ruhelosigkeit oder Erwartungsdruck gibt es allerlei probate Mittel, sie zu überwinden. Substitute in Form von Tabletten, Therapien oder einfach nur der eigenen Phantasie. Der Schriftsteller Calvin (Paul Dano) ist nicht nur in seinem Privatleben unglücklich, sondern auch noch von einer Schreibblockade betroffen, was sich in diesem Berufsstand ausnimmt, als verlöre ein Sänger seine Stimme oder ein Dompteur seinen Mut. Doch Calvin überlistet sein Schreibproblem mithilfe seiner Vorstellungskraft: Er erfindet die Romanfigur Ruby, eine Frau nach seinem persönlichen Geschmack, die ihm Inspiration und Motivation zurückgibt. Nach einer Woche Schreibarbeit staunt Calvin nicht schlecht, als die von ihm erschaffene Figur plötzlich putzmunter und quirlig in seiner Küche steht und mit ihm Spaghetti kocht.


Jonathan Dayton und Valerie Faris, die den Independent-Kinohit "Little Miss Sunshine" drehten, erzählen in ihrem neuen Film "Ruby Sparks" diese charmante Fantasie von der Erschaffung des eigenen Traumpartners mit der aufgeweckten Zoe Kazan in der Rolle der Ruby. Die 29-jährige US-Schauspielerin und Enkelin von Regisseur Elia Kazan ("Endstation Sehnsucht", "Jenseits von Eden") hat mit dem Film ihr Debüt als Drehbuchautorin gegeben.

"Meine Figur Calvin ist als Autor sehr jung berühmt geworden, noch bevor er sich Arbeitsrituale überhaupt ausdenken konnte", sagt Zoe Kazan im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Er schrieb aus Freude. Und daher hat er jetzt die Schreibblockade, weil er unvorbereitet auf den Erfolg war. Er ist ein Romantiker. Er schreibt noch auf einer Schreibmaschine, das sagt doch alles!" Kazan, die ihre Schauspielerkarriere bislang hauptsächlich am Theater verfolgte und dort viel Applaus in einer Inszenierung von Tschechows "Möwe" an der Seite von Kristin Scott Thomas und Peter Sarsgaard erntete, betrachtet die eigene Schreibarbeit mit einiger Entspanntheit.

Kein Zwang zum Glück
"Ich habe einen ganz anderen Zugang zum Drehbuchschreiben als ein Schriftsteller", sagt sie. "Ich habe nicht den Zwang oder das Glück, jeden Tag schreiben zu müssen. Meine Arbeit als Schauspielerin kostet viel Zeit. Bevor ich etwas hinschreibe, vergehen Tage und Wochen im Park, in der U-Bahn oder sonst wo, wo ich beobachten kann. Wenn ich mich dann hinsetze, um zu schreiben, geht es sehr schnell. Das Drehbuch zu ‚Ruby Sparks‘ war in zwei Wochen fertig."

Der lockere, unverkrampfte Erzählstil von "Ruby Sparks" illustriert diese jugendliche Unbekümmertheit gut, mit der Zoe Kazan das Drehbuch schrieb, aber auch ihre Rolle interpretierte. Zugleich hat sie aber auch filmischen Vorbildern Tribut gezollt: "Ich bin eine große Bewunderin von Woody Allen. Es gibt in ‚Ruby Sparks‘ einige Referenzen an seinen Film ‚The Purple Rose of Cairo‘. Und: Die Schreibmaschine, auf der Calvin seine Romane tippt, ist dasselbe Modell, das auch Woody für seine Drehbücher benutzt. Beide sind da altmodisch", lacht Kazan.

Dass die Leinwandchemie zwischen Ruby und Calvin stimmt, hängt damit zusammen, dass Zoe Kazan und Paul Dano auch im echten Leben ein Paar sind. Dennoch: "Ich habe versucht, meine Beziehung so gut es geht aus diesem Film auszuklammern", sagt Kazan. "Ich bin grundsätzlich sehr offen, aber Paul ist ein verschlossener Mensch, der es nicht schätzt, wenn man das Privatleben vor anderen ausbreitet, vor allem, wenn es Thema in einem Film ist. Aber natürlich gibt es gewisse Momente, bei denen wir gemeinsam vor der Kamera stehen und genau wissen, was der andere denkt. Wir mussten aber sicherstellen, dass Zoe und Paul den beiden Figuren Ruby und Calvin nicht die Show stahlen."

Für Zoe Kazan ist "Ruby Sparks" aber nicht nur eine US-Independent-Produktion, die unter beinahe familiären Umständen entstand, sondern auch ein Wendepunkt: "Das war mein erster Film als Autorin, und ich möchte definitiv mehr schreiben", sagt sie. "Ich glaube, mit ‚Ruby Sparks‘ hat ein neuer Lebensabschnitt für mich begonnen."




Schlagwörter

Kino, Film

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-12-04 17:35:06
Letzte Änderung am 2012-12-04 17:38:05


Spider-Man: A New Universe

Spidermänner und Spiderfrauen

Miles Morales (links) ist der neueste Spider-Man im Heldenverbund, flankiert vom Original und der Spider-Gwen. - © Sony Pictures Ein Spider-Man allein genügt nicht, es sollen mehrere sein, die aus verschiedenen Dimensionen nach New York kommen... weiter




Filmkritik

Neue Filme in Kürze

Komplexe Kritik am Kapitalismus (fan) Eine militante, geheim agierende Umweltaktivistin betätigt sich unnachgiebig mit Guerilla-Aktionen... weiter




RBG

Ruth Bader Ginsburg im bewegenden Filmporträt

Harvard in den 1950ern. Der Dekan fragte neun Studentinnen, die sich einen Platz unter 500 Männer erkämpft hatten: "Wie können sie es rechtfertigen... weiter





Werbung



Kommentar

Gerechtigkeit durch Milliarden

Manchmal kann es schnell gehen. Es ist nicht lange her, da wurde auch an dieser Stelle beklagt, dass im zeitgenössischen Kino vor allem Männer... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Posthume Resterampe
  2. "Euryanthe" als packendes Kammerspiel
  3. Die neue Einstimmigkeit
  4. b + s
  5. Die Stadt als Spielwiese
Meistkommentiert
  1. "Die Weiden" erleiden Schiffbruch an der Staatsoper
  2. "Die Weißwurst muss dir freundlich gesinnt sein"
  3. Die neue Einstimmigkeit
  4. Eine wunderbare Reise zu den Ursprüngen von Jethro Tull
  5. ORF teilt TV-Sender gesellschaftlichen Gruppen zu

DVD & Bluray

The 100, Staffel 4

- © Warner Weil die Atomreaktoren auf der Erde schmelzen und bald ein Inferno auslösen werden, fragen sich die Überlebenden, wofür sie angesichts des nahenden... weiter




DVD & Bluray

Berlin Falling

- © Warner Der Ex-Elitesoldat Frank kann seine Kriegserlebnisse nicht abschütteln und dröhnt sich zwecks Vergangenheitsbewältigung mit Alkohol zu... weiter





Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker.

Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk. Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Quiz




Werbung