Lars von Trier wurde von der Festival-Leitung zur unerwünschten Person erklärt. - © Reuters/Eric Gaillard
Lars von Trier wurde von der Festival-Leitung zur unerwünschten Person erklärt. - © Reuters/Eric Gaillard

 Cannes. Das hat er jetzt davon. Weil er nie den Mund halten kann. Lars von Trier wurde vom Festivalkomitee in Cannes zur "Persona non grata" erklärt - ihm wird ab sofort der Zutritt zum Festivalpalais entzogen, er kann an keinen Veranstaltungen mehr teilnehmen und verliert seine Akkreditierung. Grund für diese Reaktion gegen den dänischen Filmemacher: Am Mittwoch hatte von Trier während der Pressekonferenz zu seinem Wettbewerbsfilm "Melancholia" unter anderem gesagt, er möge keine Juden, verstehe Hitler und sei ein Nazi.

Stunden später hatte sich von Trier in einer Aussendung von seinen Aussagen distanziert: "Sollte ich mit meinen Worten die Gefühle von irgendjemandem verletzt haben, tut es mir aufrichtig leid. Ich bin weder Antisemit oder habe radikale Vorurteile, noch bin ich ein Nazi."

Doch diese Entschuldigung war für die Festival-Organisatoren nicht ausreichend: "Unser Festival bietet Künstlern ein Forum und verteidigt die Freiheit des Ausdrucks und künstlerischer Schöpfung", hieß es in einer Aussendung am Donnerstag. Daher sei die Führungsriege des Festivals zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengekommen, wo man "zutiefst bedauert, dass dieses Forum von Lars von Trier benutzt wurde, um Kommentare abzugeben, die inakzeptabel, intolerabel und den humanitären Idealen des Festivals widersprechen. Das Festival verurteilt diese Kommentare und erklärt Lars von Trier mit sofortiger Wirkung zur Persona non grata beim Filmfestival von Cannes."

Ein reiner Marketing-Gag?

Die Croisette hat in der Schlussphase des Festivals also einen handfesten Skandal. Warum von Trier sich sympathisierend über Nazis und Hitler geäußert hat, bleibt unklar. Freilich: Der Regisseur ist dafür bekannt, gerne öffentlich zu provozieren, um so die größtmögliche Aufmerksamkeit für seine Filme zu generieren. Alles ein reiner Marketing-Gag also?

In einem der ersten Interviews nach seinem Ausschluss vom Festival sagte von Trier der L.A.Times: "Ich weiß nicht, was mich da geritten hat. Ich war sehr sarkastisch und brutal, aber das ist sehr Dänisch. Es tut mir leid, dass meine Aussagen falsch verstanden wurden. Ich empfinde den Holocaust als eines der schlimmsten Verbrechen gegen die Menschheit und sympathisiere nicht eine Sekunde lang mit Hitler."

Für von Trier sind Entschuldigungen dieser Art allerdings "Unsinn". "Wenn man sagt, man hat etwas falsch gemacht, was hilft es dann, sich zu entschuldigen? Es macht die Lage noch viel schlimmer". Weshalb er dann überhaupt ein Statement veröffentlicht hat? "Um die Zerstörung unter Kontrolle zu halten."

Von Trier versteht Ausschluss nicht

Für von Trier ist sein Ausschluss vom Festival jedenfalls nicht nachvollziehbar. "Ich finde es seltsam, denn selbst wenn ich Hitler wäre, was hätte das mit der Vorführung meines Films zu tun? Dies hier ist ein Festival für Filme, nicht für Regisseure."

Von Trier hat auch bereits angekündigt, in Zukunft keine Pressekonferenzen mehr geben zu wollen. "Ich bin ein Idiot, sollte für immer daheim in Dänemark bleiben und dort mit niemandem mehr sprechen."

Die Wiener Zeitung bei den Filmfestspielen in Cannes