"Brenna tuats guat": In "Soldate Jeannette" lodern die Flammen der Freiheit. - © European Film Conspiracy
"Brenna tuats guat": In "Soldate Jeannette" lodern die Flammen der Freiheit. - © European Film Conspiracy

"Könnten wir unsere Kinder bitte mehr behandeln als wären wir Tiere?", fragt Daniel Hoesl, und er meint es ernst: "Tiere lassen ihre Kinder nicht einfach auf den Straßen verrecken." Klingt das naiv? Zu idealistisch? Und: Ist es falsch? "Viele haben es verlernt, einander wirklich die Hand zu reichen", meint Hoesl. "Das Geld hat Jesus als scheinbare Erlöserfigur abgelöst, Geld ist heute unsere Superreligion. Und vielleicht bin ich ein Utopist, aber ich glaube trotzdem an die Menschen."

Mit 30 Jahren bringt Daniel Hoesl seine Lebensphilosophie, "die mich automatisch zum gesellschaftlichen Eremiten macht" (Hoesl) auch in seiner kreativen Arbeit zum Ausdruck: In seinem ersten Langspielfilm "Soldate Jeannette" erzählt er vom Überlebenskampf zweier Frauen, die zwar nicht unmittelbar vom physischen Tod bedroht sind, aber dennoch Gefahr laufen, in einem Käfig zu verenden: Zum einen entledigt sich hier die wohlhabende Fanni (Johanna Orsini-Rosenberg), langsam aber entschlossen allen Reichtums (und der damit verbundenen angenehmen wie unangenehmen Gesellschaftsmechanismen) und heuert irgendwann für Kost und Logis auf einem Bauernhof im nördlichen Waldviertel an. Dort trifft sie auf die junge Anna (Christina Reichsthaler), der dieser Hof kein Idyll ist, sondern eine Dystopie, und die durch Fanni die Kraft findet, sich für ein neues Leben zu entscheiden.

Daniel Hoesl, Regisseur und ein wenig Punk. - © Europ. Film Conspiracy
Daniel Hoesl, Regisseur und ein wenig Punk. - © Europ. Film Conspiracy

Mit einem "Mikrobudget" von 65.000 Euro haben Hoesl und sein Team aus Freunden und Bekannten, darunter Kameramann Gerald Kerkletz, diesen Film innerhalb von 14 Monaten fertiggestellt - nun darf er seine Weltpremiere im internationalen Wettbewerb des Filmfestivals in Sundance feiern (17. bis 27. Jänner) und anschließend auch beim Internationalen Filmfestival in Rotterdam im Haupt-Wettbewerb um den Tiger Award konkurrieren. Die Teilnahme an diesen beiden international bedeutendsten Filmfestivals für unabhängige Produktionen bedeutet für Hoesl natürlich einiges, hat er sich doch mit seinem Kollektiv "A European Fim Conspiracy" dem "kleinen Film" verschrieben und begreift seine Arbeitsweise als progressives Konzept, als eine Art Autopoiesis: "Was normalerweise durch die Gestaltung eines Drehbuchs versucht wird auszuschalten, zum Beispiel das Unberechenbare, wird bei unserer Arbeitsweise zum Potenzial", umreißt es Hoesl.

"Wir haben diesen Film ohne Drehbuch begonnen. Wir hatten keine Idee, keine Geschichte und demnach natürlich keine Moral, die wir erzählen wollten, geschweige denn eine Ahnung davon, wie der Film enden sollte." Am Anfang stand nämlich lediglich ein Saunabesuch mit Gerald Kerkletz, bei dem "wir uns überlegt haben, dass wir uns zwei Lieder suchen, die uns führen", erzählt Hoesl. "Soldier Jane" von Beck, zum Beispiel, in dem es heißt: "Don’t be afraid to take your heart out of the shell", aber auch die "Täuschung" von Schuberts Winterreise in der Interpretation von Christine Schäfer.