Von Trotta ist "nicht mehr so zornig wie früher". - © Filmladen
Von Trotta ist "nicht mehr so zornig wie früher". - © Filmladen

Wie macht man Gedanken sichtbar? Nach Filmen über Rosa Luxemburg, die Ensslin-Schwestern oder Hildegard von Bingen versucht sich die deutsche Filmregisseurin Margarethe von Trotta nun an der jüdischen Philosophin Hannah Arendt (Barbara Sukowa). Der Film ist aber keine allumfassende Biografie, sondern fokussiert auf nur vier Jahre in Arendts Leben: Als sie 1961 in Jerusalem für den "New Yorker" den Prozess gegen Adolf Eichmann beobachtet und kommentiert und zu dem Schluss kommt, mit dem NS-Verbrecher in Wahrheit einen mittelmäßigen Durchschnittsmenschen vor sich zu haben anstatt eines ausgewiesenen Monsters. Ihre These von der "Banalität des Bösen" erlebte in der Folge grobe Anfeindungen. Die "Wiener Zeitung" traf Margarethe von Trotta zum Gespräch.

"Wiener Zeitung": Was fasziniert Sie so sehr an Ikonen wie Rosa Luxemburg, Hildegard von Bingen oder Hannah Arendt?

Margarethe von Trotta: Tatsache ist, dass ich mir diese Projekte nie selbst ausgesucht habe, außer im Fall von Hildegard von Bingen. "Rosa Luxemburg" sollte noch Fassbinder machen, es war sein letztes Projekt vor seinem Tod. Ich habe das übernommen, weil wir befreundet waren. Bei "Hannah Arendt", zu dem es 2002 die erste Idee gab und für den wir neun Jahre zur Finanzierung brauchten, wollte ich anfangs nicht mitmachen, weil ich mir nicht zutraute, das Denken dieser Frau filmisch umsetzen zu können. Also, es ist nicht so, dass ich immer auf der Suche nach Frauen bin, die ich noch nicht im Film gezeigt habe.

Barbara Sukowa als Hannah Arendt, in ihrer sechsten Arbeit mit Margarethe von Trotta. - © Filmladen
Barbara Sukowa als Hannah Arendt, in ihrer sechsten Arbeit mit Margarethe von Trotta. - © Filmladen

Wieso entschlossen Sie sich, den Film auf die Zeit des Eichmann-Prozesses zu beschränken?

Ursprünglich wollte ich eine umfassende Biografie machen, merkte aber schnell, dass ich dann keinen Moment ihres Lebens wirklich würde vertiefen können. Man hätte das Wesen dieser Frau nicht erfassen können. Eichmann brachte zudem die Dramatik, die ein Spielfilm braucht. Hannah Arendt ficht ein Duell mit Eichmann aus, zuerst im Gerichtssaal, aber auch später, wenn sie ihn nicht mehr sieht. Sie behält ihn ständig im Kopf.

Sie sprachen vom langen Weg der Finanzierung. Hat jemand mit Ihrem Status tatsächlich Schwierigkeiten, neue Projekte zu finanzieren?

Ich muss für jeden Film kämpfen! Zu Beginn meiner Karriere war es einfacher, aber man muss sagen: Damals waren die Filme auch billiger, die ich drehte. Heute ist alles teurer. Bei "Hildegard von Bingen" produzierte die Degeto (eine am Unterhaltungswert orientierte Filmorganisation der ARD, Anm.) mit, aber nur unter der Auflage, dass entweder Heino Ferch oder Moritz Bleibtreu die männliche Hauptrolle spielt. Die haben ein quotenorientiertes Denken. So läuft das heute.