"40 Millionen Dollar Paartherapie": Leslie Mann und Paul Rudd als Film-Ehepaar in der Krise. - © UPI
"40 Millionen Dollar Paartherapie": Leslie Mann und Paul Rudd als Film-Ehepaar in der Krise. - © UPI

Der nette Typ von nebenan, das ist das Image, mit dem der US-amerikanische Schauspieler Paul Rudd leben muss, und das macht er gar nicht mal schlecht. Regisseur Judd Apatow, mit dem Rudd nach seinem Durchbruch mit "Clueless: Was sonst?" vor beinahe 15 Jahren schon mehrfach zusammengearbeitet hat - unter anderem in "Jungfrau (40), männlich, sucht" und "Beim ersten Mal" -, schätzt sein "harmloses Aussehen", sagt der 43-Jährige, wohl auch, "weil sich damit viele Männer leicht identifizieren können".

In Apatows neuer Komödie "Immer Ärger mit 40" (ab Freitag im Kino) darf Rudd also stellvertretend eine ausgewachsene Midlife-Crisis durchleben, die nicht zuletzt durch den 40. Geburtstag seiner Film-Ehefrau Leslie Mann (Judd Apatows tatsächlicher Ehefrau) ausgelöst wird, sie aber durch einige Turbulenzen nur wieder näher zusammenbringt.

Paul Rudd: Ich möchte mich vorab entschuldigen, wenn ich gerade völlig durcheinander wirke.

"Wiener Zeitung": Was ist denn passiert?

Bevor ich hierher gekommen bin, hat mich jemand spontan gefragt, was meine drei Lieblingslieder sind, und - verdammt - das ist eine echt schwierige Frage!

Fielen Ihnen denn drei ein?

Das ist ja das Problem. Es fällt einem dann nicht nur fast nichts ein, sondern dann auch nur die schlimmsten Lieder, die man jemals gehört hat!

Welche haben Sie genannt?

Nach gefühlten drei Stunden sagte ich "Real Love" von Toby Lightman, "Strawberry Fields Forever" und "Time" von Tom Waits.

Real Love, ich verstehe. Sie glauben also an die Liebe - auch nach jahrelanger Ehe?

Natürlich, Glaube ist dabei das Um und Auf. Aber ich erinnere mich, dass mir einmal ein Freund sagte: In der Ehe solltest du 60 Prozent geben und 40 Prozent nehmen. Das ist das Geheimnis einer funktionierenden Ehe. Ich dachte: "Wow, das hört sich gut an." Dann wiederum dachte ich: "Was ist das eigentlich für ein lächerlicher Ratschlag?" In der Theorie mögen solche Weisheiten nützlich sein, aber in der Praxis zählen Dinge wie miteinander reden, einander wertschätzen und niemals vergessen zu lachen.

Was uns zu den Filmen von Judd Apatow bringt. "Immer Ärger mit 40" ist ja nicht Ihre erste Zusammenarbeit ...

Er arbeitet gerne immer wieder mit denselben Leuten, so war es irgendwie natürlich, dass sich daraus eine professionelle Freundschaft entwickelte.

War es dann nicht etwas seltsam, hier mit seiner Frau und seinen Kindern Familie zu spielen?

Nicht so komisch, wie man annehmen könnte. Natürlich auch, weil dieser Film ein Semi-Sequel zu "Beim ersten Mal" ist, mit einigen derselben Figuren. Ich kenne seine Kinder, seit sie klein sind, es herrscht immer ein sehr vertrautes Klima am Set. Aber es gab durchaus Momente, die einer außerkörperlichen Erfahrung gleichkamen. In der Dusche, nackt, mit Judds Frau, während er Anweisungen gibt "Jetzt habt Sex, bitte!", während die Kinder gerade im Nebenraum Kekse essen und fernsehen, zum Beispiel. Ja, das war dann doch etwas seltsam.

Woran würden Sie einen Judd Apatow Film erkennen, wenn Sie nicht selbst mitspielten?

Er versucht sicher, als Regisseur zu wachsen und sich an Filmemachern zu orientieren, die er selbst bewundert, wie zum Beispiel James Brooks. Aber es geht ihm immer vor allem um menschliche Geschichten. Hier wollte er über die Ehe erzählen, das Elterndasein, die Probleme, also davon, wie sich "echte" Menschen abstrudeln, verlieren und gewinnen, vom Alltag eben.

Dennoch macht er keine Dramen...

Genau das ist das Interessante, denn er geht in Wahrheit jeden Film als Drama an und sagt immer: "Die Witze können wir nachher einfügen." So ist es ganz logisch, dass die Situationen, die seine Figuren durchleben, dramatisch sind, denn sie sind aus dem echten Leben genommen und bieten deswegen Identifikationspotenzial. Was aber Judds Trademark geworden ist, ist diese Geschichten auch mit enorm viel popkultureller Referenz - und mit Witz - aufzuladen.

Das kommt sicher auch daher, dass er auch als Stand-up-Comedian angefangen hat, so wie viele von uns, die mit ihm arbeiten. Und genauso wie wir geht er auf dieselbe Weise mit Drama im Leben um: indem er darüber Witze macht.

Sein Humor wurde oft als Fäkalhumor beschrieben...

Ja, wobei ich nicht weiß, ob das wirklich zutrifft...

In diesem Film gibt es zumindest eine Hämorrhoiden-Szene, die in diese Richtung geht.

Gut, aber dazu muss man wissen, wie er arbeitet. Sein Skript ist zum Beispiel 150 Seiten lang und enthält die verschiedensten Ideen. Wir proben, aber improvisieren während dieser Proben auch, was er wiederum manchmal nachträglich ins Skript einfügt. Er bezeichnet das als "Möchtegern-Mike-Leigh-Arbeitsweise", und ich habe mir besonders als Komödien-Darsteller sowieso schon jede Eitelkeit abgeschminkt.

Die Hämorrhoiden-Szene jedenfalls entstand also, weil wir darüber scherzten, was wohl wäre, wenn. Eine Woche später war sie im Skript. Für mich ist die Szene aber nicht ordinär. Es ist, was Ehe ist. Manchmal beinhaltet Ehe einfach, dass man seiner Ehefrau den Anus hinhält und fragt: "Was hab’ ich da? Kannst du da bitte mal nachsehen?" Das kann vorkommen! Es ist eine Intimität, die nicht romantisch ist, nicht
sexy. Aber es ist eine Intimität, die zeigt: Mit wem sonst könnte man solche Sorgen teilen?