• vom 08.03.2013, 16:26 Uhr

Film


This is 40

"Es ist, was es ist", ist die Ehe




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexandra Zawia

  • Schauspieler Paul Rudd über seine Rolle als krisengeschüttelter Ehemann und Vater in "Immer Ärger mit 40"
  • Paul Rudd über "Intimität, die nicht sexy ist" und die Arbeit mit Judd Apatow.

"40 Millionen Dollar Paartherapie": Leslie Mann und Paul Rudd als Film-Ehepaar in der Krise.

"40 Millionen Dollar Paartherapie": Leslie Mann und Paul Rudd als Film-Ehepaar in der Krise.© UPI "40 Millionen Dollar Paartherapie": Leslie Mann und Paul Rudd als Film-Ehepaar in der Krise.© UPI

Der nette Typ von nebenan, das ist das Image, mit dem der US-amerikanische Schauspieler Paul Rudd leben muss, und das macht er gar nicht mal schlecht. Regisseur Judd Apatow, mit dem Rudd nach seinem Durchbruch mit "Clueless: Was sonst?" vor beinahe 15 Jahren schon mehrfach zusammengearbeitet hat - unter anderem in "Jungfrau (40), männlich, sucht" und "Beim ersten Mal" -, schätzt sein "harmloses Aussehen", sagt der 43-Jährige, wohl auch, "weil sich damit viele Männer leicht identifizieren können".


In Apatows neuer Komödie "Immer Ärger mit 40" (ab Freitag im Kino) darf Rudd also stellvertretend eine ausgewachsene Midlife-Crisis durchleben, die nicht zuletzt durch den 40. Geburtstag seiner Film-Ehefrau Leslie Mann (Judd Apatows tatsächlicher Ehefrau) ausgelöst wird, sie aber durch einige Turbulenzen nur wieder näher zusammenbringt.

Paul Rudd: Ich möchte mich vorab entschuldigen, wenn ich gerade völlig durcheinander wirke.

"Wiener Zeitung": Was ist denn passiert?

Bevor ich hierher gekommen bin, hat mich jemand spontan gefragt, was meine drei Lieblingslieder sind, und - verdammt - das ist eine echt schwierige Frage!

Fielen Ihnen denn drei ein?

Das ist ja das Problem. Es fällt einem dann nicht nur fast nichts ein, sondern dann auch nur die schlimmsten Lieder, die man jemals gehört hat!

Welche haben Sie genannt?

Nach gefühlten drei Stunden sagte ich "Real Love" von Toby Lightman, "Strawberry Fields Forever" und "Time" von Tom Waits.

Real Love, ich verstehe. Sie glauben also an die Liebe - auch nach jahrelanger Ehe?

Natürlich, Glaube ist dabei das Um und Auf. Aber ich erinnere mich, dass mir einmal ein Freund sagte: In der Ehe solltest du 60 Prozent geben und 40 Prozent nehmen. Das ist das Geheimnis einer funktionierenden Ehe. Ich dachte: "Wow, das hört sich gut an." Dann wiederum dachte ich: "Was ist das eigentlich für ein lächerlicher Ratschlag?" In der Theorie mögen solche Weisheiten nützlich sein, aber in der Praxis zählen Dinge wie miteinander reden, einander wertschätzen und niemals vergessen zu lachen.

Was uns zu den Filmen von Judd Apatow bringt. "Immer Ärger mit 40" ist ja nicht Ihre erste Zusammenarbeit ...

Er arbeitet gerne immer wieder mit denselben Leuten, so war es irgendwie natürlich, dass sich daraus eine professionelle Freundschaft entwickelte.

War es dann nicht etwas seltsam, hier mit seiner Frau und seinen Kindern Familie zu spielen?

Nicht so komisch, wie man annehmen könnte. Natürlich auch, weil dieser Film ein Semi-Sequel zu "Beim ersten Mal" ist, mit einigen derselben Figuren. Ich kenne seine Kinder, seit sie klein sind, es herrscht immer ein sehr vertrautes Klima am Set. Aber es gab durchaus Momente, die einer außerkörperlichen Erfahrung gleichkamen. In der Dusche, nackt, mit Judds Frau, während er Anweisungen gibt "Jetzt habt Sex, bitte!", während die Kinder gerade im Nebenraum Kekse essen und fernsehen, zum Beispiel. Ja, das war dann doch etwas seltsam.

Woran würden Sie einen Judd Apatow Film erkennen, wenn Sie nicht selbst mitspielten?

Er versucht sicher, als Regisseur zu wachsen und sich an Filmemachern zu orientieren, die er selbst bewundert, wie zum Beispiel James Brooks. Aber es geht ihm immer vor allem um menschliche Geschichten. Hier wollte er über die Ehe erzählen, das Elterndasein, die Probleme, also davon, wie sich "echte" Menschen abstrudeln, verlieren und gewinnen, vom Alltag eben.

Dennoch macht er keine Dramen...

Genau das ist das Interessante, denn er geht in Wahrheit jeden Film als Drama an und sagt immer: "Die Witze können wir nachher einfügen." So ist es ganz logisch, dass die Situationen, die seine Figuren durchleben, dramatisch sind, denn sie sind aus dem echten Leben genommen und bieten deswegen Identifikationspotenzial. Was aber Judds Trademark geworden ist, ist diese Geschichten auch mit enorm viel popkultureller Referenz - und mit Witz - aufzuladen.

Das kommt sicher auch daher, dass er auch als Stand-up-Comedian angefangen hat, so wie viele von uns, die mit ihm arbeiten. Und genauso wie wir geht er auf dieselbe Weise mit Drama im Leben um: indem er darüber Witze macht.

Sein Humor wurde oft als Fäkalhumor beschrieben...

Ja, wobei ich nicht weiß, ob das wirklich zutrifft...

In diesem Film gibt es zumindest eine Hämorrhoiden-Szene, die in diese Richtung geht.

Gut, aber dazu muss man wissen, wie er arbeitet. Sein Skript ist zum Beispiel 150 Seiten lang und enthält die verschiedensten Ideen. Wir proben, aber improvisieren während dieser Proben auch, was er wiederum manchmal nachträglich ins Skript einfügt. Er bezeichnet das als "Möchtegern-Mike-Leigh-Arbeitsweise", und ich habe mir besonders als Komödien-Darsteller sowieso schon jede Eitelkeit abgeschminkt.

Die Hämorrhoiden-Szene jedenfalls entstand also, weil wir darüber scherzten, was wohl wäre, wenn. Eine Woche später war sie im Skript. Für mich ist die Szene aber nicht ordinär. Es ist, was Ehe ist. Manchmal beinhaltet Ehe einfach, dass man seiner Ehefrau den Anus hinhält und fragt: "Was hab’ ich da? Kannst du da bitte mal nachsehen?" Das kann vorkommen! Es ist eine Intimität, die nicht romantisch ist, nicht
sexy. Aber es ist eine Intimität, die zeigt: Mit wem sonst könnte man solche Sorgen teilen?

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-03-08 16:29:04


Filmkritik

Von Tanz und Terror

Dakota Johnson spielt eine junge amerikanische Tänzerin im Berlin des Jahres 1977. - © Amazon Studios Der Begriff Remake ist im Mainstream inzwischen die Auszeichnung für größtmögliche Phantasie- und Ideenlosigkeit. Das gilt allerdings nicht für die... weiter




Filmstarts

Neu im Kino

Die Frau als Gefahr (vf) Auch wenn der Filmtitel "#Female Pleasure" vielleicht etwas Schlüpfriges vermuten lässt, ist es genau dieser Widerspruch... weiter




Filmkritik

Macht den Reinblütigen!

Der zweite von fünf Teilen der "Phantastischen Tierwesen" spielt im Jahre 1927. Zuvor wurde der Zauberer Grindelwald enttarnt und festgenommen... weiter





Werbung



Kommentar

Freigesprochen von den "Seitenblicken"

Leitartikel Baumgartner Bernhard - © WZ / Thomas Seifert Es kommt nicht oft vor, dass der ORF einen redaktionellen Widerruf bringen muss. Und das ausgerechnet in den "Seitenblicken"... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der Ursprung der Wiederholung
  2. Was ist "das Leitkultur"?
  3. Zerrbild der Ideenträger
  4. Im Inselreich der Affekte
  5. Hinter den Fassaden
Meistkommentiert
  1. Lang lebe Europa!
  2. Rene Benko steigt bei "Krone" und "Kurier" ein
  3. Kritik an finnischem Rechts-Metal-Konzert in Wiener Club
  4. Venus, Warhol oder Papagei
  5. Weißes Haus verteidigt sich mit Fake-Video

DVD & Bluray

The 100, Staffel 4

- © Warner Weil die Atomreaktoren auf der Erde schmelzen und bald ein Inferno auslösen werden, fragen sich die Überlebenden, wofür sie angesichts des nahenden... weiter




DVD & Bluray

Berlin Falling

- © Warner Der Ex-Elitesoldat Frank kann seine Kriegserlebnisse nicht abschütteln und dröhnt sich zwecks Vergangenheitsbewältigung mit Alkohol zu... weiter





Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Ignaz Kirchner als "Samiel", 2007, während der Fotoprobe von "Der Freischuetz" in Salzburg.  Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.

Quiz




Werbung