• vom 18.04.2013, 17:08 Uhr

Film

Update: 08.05.2014, 12:52 Uhr

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Bewährt ist gut genug?




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Von Alexandra Zawia

  • Die 66. Filmfestspiele von Cannes präsentierten ihr Programm
  • Bekannte Stars im Wettbewerb, diesmal ohne österreichische Beteiligung.

Freude: R. Gosling (l.) und N. Winding Refn auch heuer in Cannes.

Freude: R. Gosling (l.) und N. Winding Refn auch heuer in Cannes.© epa Freude: R. Gosling (l.) und N. Winding Refn auch heuer in Cannes.© epa

Es ist so eine Sache mit Cannes - oder mit großen Filmfestivals allgemein: Die "Risiko"-bereitschaft in der Wettbewerbsprogrammierung hält sich dort traditionell in Grenzen. Kaum wurden - zumindest in den vergangenen zehn Jahren - etwa in Cannes die (ersten) Arbeiten (noch) unbekannter Regisseure in den Wettbewerb gehoben. Und die Arbeiten von Regisseurinnen ohnehin noch weniger oft. Während kleinere Filmfestivals oft gezwungen sind, das "Risiko" unbekannter Namen einzugehen - was sich oftmals als Glücksfall erweist -, setzt man in Cannes, Venedig, aber auch in Berlin auf die Strahlkraft des Renommeés. Natürlich hat das auch einfache Marketing-Gründe: Ist ein Film schon schlecht, dann lockt man zumindest durch die beteiligten Stars die Presse und die Käufer an.


Auch das diesjährige Programm der Internationalen Filmfestspiele in Cannes revidiert diese Theorie nicht. Unter Jury-Präsident Steven Spielberg konkurrieren die Stammgäste Joel und Ethan Coen mit "Inside Llewyn Davis", einem Film über die Folkszene, mit dem ebenfalls in Cannes nicht unbekannten Steven Soderbergh und seinem - wirklich letzten? - Film "Behind the Candelabra", mit Michael Douglas und Matt Damon. Fast wie eine Entschuldigung wirkte es da, als Festivaldirektor Thierry Fremaux versicherte, Soderbergh hätte den Film außerhalb des Wettbewerbs zeigen wollen.

Außerdem sind die Filme von Paolo Sorrentino ("La Grande Belleza"), Jia Zhangke ("Tian Zhu Ding"), Alexander Payne ("Nebraska"), Takashi Miike ("Wara No Tate") und Roman Polanskis Erotikkomödie "La Venus a la fourrure" programmiert.

Polanskis Film ist zudem einer von nicht weniger als acht französischen Filmen im diesjährigen Cannes-Wettbewerb, der traditionell (aber nicht anders als Venedig oder Berlin) stark auf die Promotion von Produktionen aus dem eigenen Land setzt. Dazu gehören auch François Ozons "Jeune et Jolie","Jimmy P., un indien des plaines" von Arnaud Desplechin, "La Vie d’Adèle" von Abdellatif Kechiche, "Gri Gri" von Mahamat Saleh Haroun, "Michael Kohlhaas" von Arnaud des Pallières und "Le Passé" von Ashgar Farhadi mit Bérénice Bejo in der Hauptrolle.

Eine Frau, viele Franzosen
Der achte der französischen Filme stammt tatsächlich von einer Frau: "Un château en Italie" von Valeria Bruni Tedeschi. Es sei hier trotzdem erwähnt, dass sie auch die Schwägerin von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy und die Lebensgefährtin von Louis Garrel (Sohn des französischen Regisseurs Philippe Garrel) ist. Das muss nicht heißen, dass dies irgendeinen Einfluss auf ihre Ernennung in den Wettbewerb hatte, aber es mutet doch etwas seltsam an, dass die Werke anderer sehr respektabler Regisseurinnen "nur" in der Sektion Un Certain Regard gezeigt werden.

Dazu zählen Sofia Coppolas "The Bling Ring" (als Eröffnungsfilm) mit Emma Watson und Kirsten Dunst in den Hauptrollen, sowie Claire Denis’ neue Arbeit "Les Salauds", "Bends" von Flora Lau, "Miele" von Valeria Golino, und die ebenfalls mit großem Aufmerksamkeitsvorschuss erwarteten Arbeiten der Kanadierin Chloé Robichaud ("Sarah préfère la course") sowie Rebecca Zlotowskis "Grand Central" über einen Arbeiter in einem Atomkraftwerk, in diesem Jahr der einzige in Cannes vertretene Spielfilm mit österreichischer Beteiligung; der Cannes Short Film Corner wählte Alexander Bruckners "Onatah" in sein Programm.

Im Hauptwettbewerb bereits vorab schon gehypt ist Nicolas Winding Refns Film "Only God Forgives", nach "Drive" (Regie-Preis in Cannes 2011) eine neuerliche Zusammenarbeit zwischen Refn und Schauspieler Ryan Gosling, diesmal im (kriminellen) Milieu der Thai-Boxer.

Der Däne Refn fülle den Slot für Ex-Cannes-Liebling, aber mittlerweile Croisette-Persona-Non-Grata Lars von Trier. Dessen "Nymphomania" sei noch nicht fertig, hieß es schon vor Wochen von der Produktionsfirma, aber auch sein sogenannter "Nazi"-Sager ist wohl noch nicht vergessen. Mit Alex van Warmerdams "Borgman" jedenfalls wurde immerhin der erste holländische Film seit 1975 in den Wettbewerb genommen.

Eröffnet werden die Filmfestspiele am 15. Mai mit der F. Scott Fitzgerald-Verfilmung "The Great Gatsby" von Baz Luhrmann - ein "3D"-Event, der gleich einmal Leonardo DiCaprio, Carey Mulligan, Joel Edgerton und Tobey Maguire auf den roten Teppich bringt.

Bis zum Abschlussfilm "Zulu" des Franzosen Jerome Salle am 26. Mai, für den dann Forest Whitaker und Orlando Bloom an die Croisette kommen, wird Cannes auch heuer wieder ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, Cinephilen, Touristen, knallharten Geschäftsdeals und Parties sein. Hoffentlich auch mit wirklich sehenswerten Filmen dazwischen. Und: vor allem.




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film festival, Cannes

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-04-18 17:11:05
Letzte Änderung am 2014-05-08 12:52:42


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