(greu) "Für mich war es ein Sprung ins kalte Wasser, weil ich nicht wusste, wie die Sache ausgeht und ob ein objektiver Blick erhalten bleibt", sagt Marc Pircher im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Der 35-jährige volkstümliche Musiker ist der Star in der Doku von Marco Antoniazzi und Gregor Stadlober. "Marco und Gregor hatten diesen objektiven Blick, weil es ihnen gelang, die Vorurteile, die sie gegen die Volksmusikbranche hatten, auszublenden. Das gab mir die Möglichkeit, zu zeigen, dass in der volkstümlichen Musik nicht nur lauter Trotteln sind, sondern, dass dort wirklich hart gearbeitet wird. Wer da erfolgreich sein will, hat einen Full-Time-Job".

Und genau diesen Full-Time-Job zeigen die Filmemacher in ihrer Doku, für die sie Pircher ein Jahr lang begleitet haben: Beim Zeltfest und im ORF-Musikantenstadl, bei Autogrammstunden und im Tonstudio, bei den Stammtischen seiner Fanclubs und Backstage hinter der Bühne. Immer muss Pircher "der Marc" bleiben, ein vor Kraft strotzender Tiroler Naturbursch. Denn nur so verkaufen sich seine Tourneen und CDs, auf denen er Lieder wie "Sieben Sünden", "Anna Lena" oder "Ich schwör‘s" trällert.

Der Markt ist hart umkämpft, das weiß Pircher: "Auch die Stars der Branche müssen darum kämpfen, in den TV-Sendungen dabei zu sein", sagt Pircher. "Es gibt ja immer mehr Gruppen, und immer weniger Plattformen, wo sie auftreten können. Nicht der, der am schönsten singt, kommt in die Sendungen, sondern der, der am schnellsten ist und die klügere Taktik hat". Hier spricht der Geschäftsmann. Eine neue CD ist zum Filmstart ebenfalls erschienen - das Rückgrat seiner Karriere: "Mit Auftritten verdient man das zehnfache von einem CD-Umsatz, und zwar in kurzer Zeit", sagt Pircher. "Die CD ist aber das wichtigste Marketingtool, das Aufmerksamkeit auf neue Nummern lenkt, damit man damit später wieder auf eine Tournee gehen kann. Niemand würde dich buchen, wenn du fünf Jahre lang nur die gleichen Lieder singst".

"Wie die Mafia"


Marc Pircher versteht sein Geschäft, aber es hat ihm in den zwei Jahrzehnten seiner Karriere auch die Illusionen geraubt: "Zuerst kommt die Mafia, dann die Prostitution und gleich danach die Volksmusik", sagt er einmal resignierend in "Schlagerstar".

Dennoch: Pircher will mit seiner Musik nicht nur unterhalten, sondern auch die Message eines romantischen (manche sagen: gestrigen) Heimatbildes transportieren: "Wenn ich über meine Heimat Tirol singe, dann schwingt da ein kritischer Ton mit. Ich halte mich zwar politisch raus, weil mir die politische Farbe egal ist. Aber mir ist schon wichtig, dass meine Heimat Tirol so bleiben kann, wie sie ist. Und das möchte ich transportieren in meinen kritischen Liedern", sagt Pircher.

Dass er mit den Schunkelnummern ankommt, zeigt der Dokumentarfilm zur Genüge. Der Branchenexperte Peter Draxl von Universal Music Austria behauptet: "Ab Mitternacht und ab einem Promille funktioniert das, egal, ob einer tagsüber FM4 hört oder nicht."