Das Kino als Zugmaschine funktioniert bis heute. Mit "Man Of Steel" kommt kommenden Freitag ein neuer Film mit Superman in die Kinos. 225 Millionen Dollar flossen in den Neustart der Reihe, Henry Cavill spielt den Helden, der Film kommt in 3D heraus und Supermans zart genopptes Panzerkostüm ist optisch zeitgemäßer als Christopher Reeves blaue Ganzkörperstrumpfhose.

Ein diffuser Kampf ohne Konstante

Wenn man Superman & Co. aber auch als Spiegel einer Gesellschaft versteht, so hat sich das Bild des Helden in den letzten 75 Jahren kaum gewandelt, obwohl unsere Ängste heute diffuser sind: Frühere Konfliktherde gegen das Böse hatten zumindest eine Konstante: Man wusste genau, wer der Feind war. Hitler, Chruschtschow, Lex Luthor. Die Feinde von einst gibt es nicht mehr, denn im Zeitalter des Terrorismus ist nicht mehr so eindeutig, gegen wen man eigentlich kämpft.

Genau deshalb hat die Comicindustrie seit 9/11 erneut richtig Auftrieb bekommen: Sie gewährt noch immer die vermeintliche Sicherheit, die uns abhanden gekommen ist: Nichts ist seither mehr gefragt als klar definierte Helden, die uns vor einem ebenfalls klar definierten Bösen schützen. Nicht umsonst brachte das erste Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts Comicverfilmungen in einer nie dagewesenen Dichte: Von Spider-Man über Green Lantern, von Daredevil bis X-Men, The Avengers und natürlich Iron Man reichten die Filmdebüts der Helden.

Je verunsicherter eine Gesellschaft in Bezug auf die eigene Sicherheit ist, desto mehr Zulauf haben starke Schultern, markige Sprüche und klare Ansagen. Solange die Welt nach solchen Helden giert, gilt für Superman: Zum Sterben ist es noch zu früh.