• vom 20.06.2013, 16:59 Uhr

Film

Update: 03.02.2014, 15:38 Uhr

Medien

Der Preis der Freiheit




  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Matthias Greuling

  • Ein Freihandelsabkommen mit den USA würde Europas Kulturlandschaft verändern
  • Filme mit "Handschrift" nur dank europäischer Quotenregelungen.

Mehr Mainstream für Barroso, hier vor dem Hotel Carlton, Cannes, 2008: US-Großproduktionen gehören dort zum Geschäft.

Mehr Mainstream für Barroso, hier vor dem Hotel Carlton, Cannes, 2008: US-Großproduktionen gehören dort zum Geschäft.© epa Mehr Mainstream für Barroso, hier vor dem Hotel Carlton, Cannes, 2008: US-Großproduktionen gehören dort zum Geschäft.© epa

"Unsere europäischen Filme haben alle einen Nährboden, regionalen oder nationalen, und das macht auch das europäische Kino aus, dass wir wo hingehören und wissen, wovon wir erzählen." Der deutsche Regisseur Wim Wenders, hier zitiert aus einem Interview mit dem Deutschlandradio Kultur, ist in seiner Funktion als Präsident der Europäischen Filmakademie so etwas wie ein Schirmherr, wenn es um die Verteidigung von spezifischen Kulturwerten geht. Europas Kino ist eines, "das eine Handschrift hat", sagt Wenders.

Diese Handschrift ist in Gefahr, meinen ihre Beschützer. Doch zunächst einmal klang das alles sehr vielversprechend: Wenn die EU und die USA ein Freihandelsabkommen unterzeichneten, ergäben sich daraus zahllose Vorteile für die Bürger: Denn insgesamt würde durch den Wegfall von Zöllen und diversen anderen Handelshindernissen 120 Milliarden Euro mehr Handelsvolumen und 400.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Rechnet die EU vor.


EU-Kommissionspräsident Barroso und US-Präsident Obama frohlocken angesichts der bevorstehenden größten Freihandelszone der Welt (die aber erst verhandelt werden muss) mit ihren mehr als 800 Millionen Einwohnern. "Wir müssen neue Aufstiegsmöglichkeiten schaffen in unseren eigenen Gesellschaftssystemen - auch wenn wir ein neues Freihandelsabkommen verfolgen, dass das Wachstum im transatlantischen Verhältnis verstärkt", sagte Obama am Mittwoch vor dem Brandenburger Tor.

Ganz so leicht wird diese Abkommen aber nicht umzusetzen sein: Vor allem in Frankreich regt sich Widerstand. Die Franzosen haben durchgesetzt, dass die Bereiche Film, Musik und Medien vorerst nicht Teil der Verhandlungen sein werden. Der Hintergrund: In Frankreich gilt die so genannte "exception culturelle française", die man 1993 in die GATS-Verhandlungen hineinreklamierte. Damit werden Quotenregelungen für nationale Kunst- und Kulturgüter möglich, die sich auf diese Weise nicht einem Wettbewerb stellen müssen. Subventionen für audiovisuelle Medien sind die Eckpfeiler dieses Schutzmechanismus. Das französische Chanson konnte so auch neben dem US-Pop überleben, das französische Kino ist deshalb mit einem Marktanteil von über 40 Prozent im eigenen Land der Platzhirsch in Europas Kulturkampf gegen böse US-Blockbuster. Zum Vergleich: In Österreich pendelt der Marktanteil heimischer Filme bei zwei bis sechs Prozent. Das hat auch mit der Menge an Filmen zu tun: Die Franzosen produzieren zwischen 150 und 250 Kinofilme pro Jahr, die Österreicher nur ein Zehntel davon.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2013-06-20 17:03:04
Letzte Änderung am 2014-02-03 15:38:23



Filmkritik

Trotzdem Tänzer

Yuli, Sohn des Ogún, nennt ihn sein Vater nach dem Sohn eines afrikanischen Kriegsgotts. Und Carlos ist ein Kämpfer - zuerst gegen den Wunsch seines... weiter




Neu im Kino

Die Filmstarts der Woche

Krank, aber stark (fan)Die Doku schildert das Leben von Martin Habacher, einem Youtuber, Social Media Berater. Sensibel wird gezeigt... weiter




Filmkritik

Ein Blick hinter die Kulissen der Burg

20190213burg - © Wikicommons, Thomas Ledl – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international Mit den Pfeiftönen eines LKWs, der gerade ein Bühnenbild transportiert und den Werkstätten des Burgtheaters, die an Werkhallen erinnern... weiter





Werbung



Kommentar

Kunst und Moral

Schon wieder der Gabalier! Nachdem der österreichische "Volks-Rock’n’Roller" den Karl-Valentin-Orden einer Münchner Faschingsgilde... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Lucia di Lammermoor" mit hohen Tönen und niedriger Spannung
  2. Wie man einen Mann ohne Hals spielt
  3. In der Josefstadt werden "zwei Glauben raufert"
  4. täglich
  5. Kaufende Konzern-Sklaven
Meistkommentiert
  1. "Es war ohnehin ein Ausländer"
  2. Thomas Bernhard, noch immer - naturgemäß
  3. Das anonyme Ich
  4. Unsoziale Medien
  5. Mit Facebook im Bett

Wiener Journal

The Man Who Killed Don Quixote

- © Concorde Der eitle Regisseur Toby soll in Spanien einen Werbefilm drehen, wird dabei aber von seiner Vergangenheit eingeholt... weiter




Wiener Journal

Book Club

- © Eurovideo Was mit Erica Jong begann, endet 40 Jahre später mit "Fifty Shades of Grey": Die vier besten Freundinnen Vivian, Diane, Carol und Sharon... weiter





Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Quiz




Werbung