• vom 20.06.2013, 16:59 Uhr

Film

Update: 03.02.2014, 15:38 Uhr

Medien

Der Preis der Freiheit




  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief





Konkurrenz in der Kunst
Die Regulierungen bei Kulturgütern zeigen also zumindest in Frankreich Wirkung. Mit einem Freihandelsabkommen auch im Bereich der Kultur würden etliche tabuisierte Regeln fallen (müssen): Die Buchpreisbindung, die die Vielfalt am deutschsprachigen Markt garantiert, wäre in Gefahr, Subventionen in Form von Förderungen stünden auch den US-Kreativen offen, Quotenregelungen für den nationalen Anteil von Werken in Rundfunk und Kino wären Geschichte. Kultur als Handelsware brächte Konkurrenz in die Kunst. Bei Obama klingt das sympathischer: "Frieden mit Gerechtigkeit bedeutet eine freie Wirtschaft, die die Talente und der schöpferischen Kraft des Einzelnen freien Lauf gibt", sagte er in Berlin.

Schöne Worte von einem, der in einer guten Position ist: Schon jetzt beträgt der Anteil von US-Filmen in Europa mehr als 60 Prozent, in Österreich sogar 77 Prozent (Zahlen von 2011). In den USA liegt der Anteil europäischer Filme bei nur drei bis sechs Prozent - was vor allem an der Sprache liegt. Und die kann auch ein Freihandelsabkommen nicht ändern. Es ist daher anzunehmen, dass ein solches Abkommen - wäre darin die Kultur als Handelsware deklariert - vor allem den Hollywood-Studios nützen würden, kaum jedoch dem europäischen audiovisuellen Sektor. Der US-Markt bliebe ihnen vermutlich trotz Öffnung verwehrt, es sei denn, sie produzierten auf Englisch. Der freie Markt könnte also eine Veränderung im Film-, Musik- und Kulturmarkt bringen: Eine Anbiederungswelle, mit der versucht wird, Medien für den US-Markt zu produzieren. Ein Stück europäische Identität müsste man dafür schon aufgeben. Es wäre der Preis für die neue Freiheit. Wenn’s aber klappt, wird der eine oder andere reich.

Dass Film, Musik und Medien vorerst aus den Verhandlungen ausgenommen werden, ist ein Teilerfolg der nationalen Identitätswächter in der EU. Freihandel, wie ihn Obama versteht, muss sich jedoch vom Nationendenken verabschieden. Dann könnte sein Traum von der "schöpferischen Kraft des Einzelnen" in Erfüllung gehen. Und zwar egal, ob man in Paris, France oder in Paris, Texas sitzt.

zurück zu Seite 1




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-06-20 17:03:04
Letzte Änderung am 2014-02-03 15:38:23


Cops

Cop mit Gewissen

Polizisten unter sich: Bei komplizierten Einsätzen gerät man gelegentlich auch aneinander. - © Filmladen Das nervöse Gefühl in der Bauchgegend bleibt. Es zeigt die Angst vor der Verantwortung und die innere Überzeugung, etwas Falsches getan zu haben... weiter




Filmkritik

Wurzeln, wo man Platz findet

Jeder in der Region hat zum geplanten Maschendrahtzaun eine Meinung. - © Filmladen Ein Maschendrahtzaun von mehreren hundert Metern. Zusammengerollt gelagert in einem Container am Brenner. Er wurde eigens angefertigt... weiter




Komödie

Kot-Witze und Morgan Freeman

Blöd in Pailletten: Kate McKinnon und Mila Kunis. - © Constantin Audrey (Mila Kunis) wird von ihrem Freund verlassen, der sich rückwirkend als Spion entpuppt. Für ihn muss sie eine Trophäe nach "Europa" bringen... weiter





Werbung



Kommentar

Wie jetzt, Puppen haben keinen Sex?

Es ist eine stürmische Zeit für das Puppentheater. Der Kasperl und sein naseweiser Kumpan Pezi wurden ja noch einmal vor der Zwangspensionierung... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Vorarlberger im Finale von "America's Got Talent"
  2. Tosender Applaus für Vorarlberger Zurcaroh
  3. Walter Hämmerle wird
    "WZ"-Chefredakteur
  4. Frauen, die Baby heißen
  5. Varga statt Thür als ZiB2-Moderator
Meistkommentiert
  1. Walter Hämmerle wird
    "WZ"-Chefredakteur
  2. Wieder Wirbel um Ministeriums-"Journalistin"
  3. "Wiener Zeitung"-Geschäftsführer will "Gas geben"
  4. Drama um Daniel Küblböck
  5. Punkt! .

DVD & Bluray

The 100, Staffel 4

- © Warner Weil die Atomreaktoren auf der Erde schmelzen und bald ein Inferno auslösen werden, fragen sich die Überlebenden, wofür sie angesichts des nahenden... weiter




DVD & Bluray

Berlin Falling

- © Warner Der Ex-Elitesoldat Frank kann seine Kriegserlebnisse nicht abschütteln und dröhnt sich zwecks Vergangenheitsbewältigung mit Alkohol zu... weiter





Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.

Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand. Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen.

Quiz




Werbung