Beim Menschenfleisch-Buffet nicht wählerisch: Ein Zombiefan, sichtlich angeschlagen, in entsprechender Verkleidung. - © corbis
Beim Menschenfleisch-Buffet nicht wählerisch: Ein Zombiefan, sichtlich angeschlagen, in entsprechender Verkleidung. - © corbis

"Dieser Moment, wenn ein Zombie nach Gehirnen sucht und einfach an dir vorbeiläuft." Solche Gedanken machte man sich dieser Tage auf Twitter. Ja, wenn es so einfach wäre. Recherchen in einschlägigen Medien ergeben leider: Der Zombie macht bei seinem Apokalypsen-Picknick keinen Unterschied beim Intelligenzgehalt am Hirnbuffet. Der durchschnittliche Zombie hat’s nicht so mit deklarierten Inhaltsstoffen. Der nimmt zur Not auch die Besetzung von "Saturday Night Fever". Vor allem, wenn die abgelenkt ist, weil sie gebannt vor der Regenbogenmaschine (auch bekannt als Gartenschlauch) steht.

Für den Fall einer Zombie-Invasion kann man sich vorbereiten. Also jetzt im richtigen Leben: Es gibt nämlich tatsächlich Trainingscamps, in denen man lernen kann, wie man "überlebt, wenn sonst keiner mehr da ist". Dafür muss man nicht einmal mehr in die USA reisen, solche Kurse werden auch in Tschechien veranstaltet, und zwar auf Deutsch. Um ein "Zombiehunter" zu werden, wird man da geschult in folgenden Bereichen: allgemeine Regeln beim Umgang mit Zombies, Waffen und Kampftechniken gegen Zombies, Erste Hilfe in Notsituationen. Wenn man bedenkt, dass die Notsituation in dem Fall unter anderem gravierenden Organverlust bedeutet, dann ist das Wissen um eine Erste-Hilfe-Taktik durchaus die 169 Euro wert, die für diesen Kurs veranschlagt werden.

Da kriegen Schreckliche einen Schreck: Hello-Kitty-Zombie, niedlich. - © make a zombie
Da kriegen Schreckliche einen Schreck: Hello-Kitty-Zombie, niedlich. - © make a zombie

Und wenn man sich so umsieht, umhört und umliest, dann könnte man meinen: Die Zombie-Invasion ist schon da. Denn dieses Horrorthema boomt auffallend anhaltend. Dieses Wochenende startet der Film "World War Z" mit Brad Pitt in den Kinos. Der basiert auf dem gleichnamigen Horror-Roman von Max Brooks und handelt von einer Pandemie, die zu einem Weltkrieg führt, in dem Menschen gegen Zombies kämpfen. Das Buch erschien 2006, und Brooks wurde als Erneuerer des Genres gefeiert.

Eines Genres, das es nun auch schon seit über 40 Jahren gibt. In den 60er und 70ern prägte George Romero mit seinen Filmen "Die Nacht der lebenden Toten" und "Zombie - Dawn of the Dead" die Figur des blutrünstigen, menschenfleischhungrigen Untoten. Es gibt wohl kaum einen Film zum Zombiethema, der nicht irgendwie auf Romero verweist. Nicht zuletzt Michael Jackson erwies dem Großmeister der Grabentsteiger die Ehre mit seinem berühmten Video zum Song "Thriller".

Die offizielle Ablöse der trendigen Vampire


Der arglose Zuseher eines klassischen Zombiefilms fragt sich freilich nach einiger Zeit: Wieso kann man Monstern, die sich nur humpelnd und mitunter Gliedmaßen verlierend fortbewegen, nicht entkommen? Deswegen ist das Zombiegenre auch ein Füllhorn für Parodien. Die wahrscheinlich beste ist der Film "Shaun of the
Dead" vom britischen Regisseur Edgar Wright. Da wird London von Zombies durchsetzt, was die Hauptfigur Shaun erst mal gar nicht bemerkt - nicht nur, weil er dem Guiness nicht abgeneigt ist, sondern auch, weil Mensch und Zombie sich apathietechnisch hier nicht allzu sehr unterscheiden. Also, ob der Typ, der da grunzend vor der Spielkonsole auf der Couch sitzt, Mensch oder Zombie ist, merkt man im Zweifelsfall erst, wenn der sich dann doch aufrafft zum Angriff.

Und das ist möglicherweise der Grund, warum die Faszination der Untoten nicht und nicht abbricht. Ihre Renaissance in der Massen-Popkultur begann vor etwa drei Jahren, als die TV-Serie "The Walking Dead" startete. Das kann wohl als offizielle Ablöse gelten: und zwar von den damals trendigen Lifestylemonstern, den Vampiren. Die hatte ja vor allem Stephenie Meyer mit ihren romantisch-kitschigen "Twilight"-Romanen zu einer neuen Blüte gebracht. Die Blutsaugermode war aber längst nicht so langlebig wie der Zombieboom. Das ist auf den ersten Blick eine paradoxe Entwicklung: Vampirgeschichten kann man sexy und auf Hochglanz inszenieren, während so eine Zombiegeschichte immer etwas Unappetitliches und Unaufgeräumtes hat. Aber das Identifikationspotenzial - wenn man jetzt kurz vom Gewürm in den Ohren und dem strengen Geruch absieht - ist bei den Zombies ein ungleich größeres als beim elitären Vampir.

Heute humpeln


Zombies schneller


Und zwar - das schaffen nicht viele Metaphern - für entgegengesetzte Seiten: Einerseits kann man sich mit dem Zombie als Randgruppe, die ja auch nur ums Überleben kämpft, verbunden fühlen. Andererseits kann man sich trefflich vor einer Randgruppe, die die Angestammten zu verdrängen sucht, fürchten. Und sieht man sich das Straßenbild heutzutage so an, dann versteht man Shaun, an dem die Zombies unbemerkt vorbeistolpern: Denn so viel Unterschied zu uns kopfhörertragenden, im Gehen SMS-schreibenden Smartphone-Autisten ist da nun auch wieder nicht.

Vielleicht ist es also ein wenig mit dem wohligen Schauer des Wiedererkennens zu erklären, dass in diesem Sommer nach "World War Z" noch ein weiterer Zombiefilm ins Kino kommt. "R.I.P.D." heißt der Actionfilm mit Jeff Bridges: Da arbeiten Zombies als Polizisten scheinbar auf der richtigen Seite. Der Internetbuchhändler Amazon hat letztens angekündigt, ins Web-TV-Geschäft einzusteigen - mit einer Zombieserie. Diese Woche wurde außerdem bekannt, dass Arnold Schwarzenegger in Kürze einen einschlägigen Film drehen wird: Er spielt einen Vater, dessen Tochter sich nach einer Virusinfektion langsam in einen Zombie verwandelt.