Bern. Weltschau in Locarno: Ein äußerst vielfältiges Programm präsentierte Carlo Chatrian, der Leiter des Schweizer Filmfestivals, in der ersten von ihm betreuten Ausgabe. Unter den 20 Filmen im internationalen Wettbewerb (7. bis 17. August) sind nicht weniger als 18 Weltpremieren, österreichische Beteiligung gibt es im Kurzfilmprogramm, in der "Semaine de la critique" und in der Reihe "Histoire(s) du cinema". Im Wettbewerb findet sich etwa der mit Spannung erwartete deutsche Streifen "Feuchtgebiete". Die Verfilmung des skandalträchtigen Buches von Charlotte Roche mit der Schweizerin Carla Juri in der Hauptrolle ist im Rennen um den Goldenen Leoparden, wie aus den Presseunterlagen vom Mittwoch hervorgeht.

In der unabhängigen Schiene "Semaine de la critique" finden sich die Uraufführungen der deutsch-österreichischen Koproduktion "Master of the Universe" von Marc Bauder und "Earth's Golden Playground" von Andreas Horvath, eine kanadisch-österreichische Koproduktion. Im "Fuori concorso: Shorts" ist "The End of Walnutgrove" von Nikolaus Eckhard, Valentin Fiala, Severin Fiala und Klaus Haidl vertreten. In der Schiene "Histoire(s) du cinema" ist Norbert Pfaffenbichlers "Notes on Film 6B: A Masque of Madness" zu sehen.

Zu Chatrians erklärten Zielen gehört es, das italienische Kino wieder enger an Locarno zu binden. Auf der Piazza ist denn auch zum ersten Mal seit Jahren wieder die Uraufführung eines italienischen Werks zu sehen: "La variabile umana" von Bruno Oliviero. Etwas schwächer als in den Vorjahren ist das US-Kino vertreten, doch der kultige Franzose Quentin Dupieux ("Rubber") präsentiert mit "Wrong Cops" eine US-Produktion als Weltpremiere. Auch die Komödie "We're the Millers" mit Jennifer Aniston läuft auf der Piazza Grande.

Im internationalen Wettbewerb rittern drei Schweizer Filme um den Hauptpreis der größten Kulturveranstaltung des Landes. Thomas Imbach stellt in "Mary, Queen of Scots" ein Stück europäische Geschichte dar, während Yves Yersin in seinem Dokfilm "Tableau noir" von einer kleinen Schule im Neuenburger Jura berichtet. Die italienisch-schweizerische Koproduktion "Sangue" von Pippo Delbono handelt vom Tod der Mutter des Regisseurs und von einem Terroristen, der seine Taten nicht bereut.

Sein Ziel bei der gesamten Programmierung sei es gewesen, die "Vielfalt ans Limit zu treiben", erklärte Festivaldirektor Chatrian vor den Medien. Locarno sei für ihn ein Festival, "das erforscht, was sich an den Grenzen des Filmspektrums bewegt". Die Jury des internationalen Wettbewerbs wird vom philippinischen Regisseur Lav Diaz geleitet. Wie bereits bekannt, geht der Ehrenleopard des 66. Festival del film an den deutschen Filmregisseur Werner Herzog.