Wien-Besuch: Daniel Brühl (l.) ist froh über Niki Laudas Lob: "Es hätte ja sein können, dass er mich nicht leiden kann". - © Foto: Katharina Sartena
Wien-Besuch: Daniel Brühl (l.) ist froh über Niki Laudas Lob: "Es hätte ja sein können, dass er mich nicht leiden kann". - © Foto: Katharina Sartena

"Wiener Zeitung": Man liest allerorts, Daniel Brühl beginnt jetzt eine internationale Karriere. Dabei haben Sie diese doch längst, spätestens seit "Inglourious Basterds".

Daniel Brühl: Das stimmt, aber die Medien haben eben gerne große Schlagzeilen. Natürlich ist "Rush" nochmal ein großer Schritt für mich - denn es ist eine sehr große Rolle und ich bin mit dem Gesamtresultat sehr zufrieden. Das ist endlich mal ein Film, der genau so geworden ist, wie er sich im Drehbuch las. Das ist nicht allzu oft der Fall. Bei "Rush" passen einfach alle Bausteine zusammen, und es freut mich, dass man mich dadurch jetzt auch in den USA wahrnimmt.

Manche Kritiker schreiben schon, Sie wären ein heißer Anwärter auf einen Oscar. . .

Diese Hysterie um mögliche Preise ist völlig verfrüht. Noch dazu, weil es dieses Jahr eine besonders starke Konkurrenz und viele tolle Filme gibt. Auf einen Oscar zu spekulieren, das wäre zwei Schritte zu weit gedacht. Ich versuche, den Enthusiasmus der Leute ein wenig zu bremsen, gerade in Deutschland. Nur, weil Christoph Waltz zwei Oscars bekam, heißt das noch lange nicht, dass das noch einmal klappt. Also ganz langsam! Die Leute, die das jetzt schreiben, sind nachher dieselben, die sagen: Ach, sind Sie nun enttäuscht, dass es nix geworden ist?

Sie sind in Deutschland und in ihrer zweiten Heimat, in ihrem Geburtsland Spanien, sehr bekannt. Reizen Sie die USA als Platz für Ihre Karriere, oder möchten Sie langfristig doch lieber Filme in Europa drehen?

Idealerweise beides. Ich merke, dass ich schon sehr europäisch denke. Ich pendle ja zwischen Berlin und Barcelona, und bewege mich einfach gerne in Europa. An nur einem Ort zu leben, ist nicht so mein Ding. Was die Karriere angeht, kann ich nicht leugnen, dass es klasse ist, wenn man mit Größen wie Quentin Tarantino oder jetzt Ron Howard zu tun hat. Wenn ein toller Regisseur anklopft, werde ich nicht Nein sagen.

Sind Sie eigentlich ein Sportwagen-Fan? Muss man das sein für einen Film wie "Rush"?

Ja, und ich interessierte mich schon als Kind für Oldtimer. Ich bin in Köln aufgewachsen, unweit von Kerpen und dem Nürburgring, und ich hatte schon immer eine Nähe zu Autos. Insofern war das allererste Gefühl, als ich das Drehbuch zu "Rush" geschickt bekam, ein Gutes. Man sagte mir, ich soll das Buch auf die Rolle von Niki hin lesen. Ich lachte nur auf und sagte: Ihr meint doch nicht Niki Lauda? Ich dachte: Das ist völlig unmöglich. Doch nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war ich wie weggeblasen - Peter Morgan ist wirklich ein unglaublicher Drehbuchautor, wenn es um real existierende Figuren geht. Ich wollte diese Rolle unbedingt spielen, auch wenn ich gar nicht wusste, wie.