Bis zum allerletzten Moment musste Steve McQueen am Sonntag Abend zittern. Der 44-jährige Brite war mit seinem Sklavendrama "12 Years A Slave" siebenfach nominiert als haushoher Favorit ins Rennen um die Golden Globes gegangen, wurde während der dreistündigen Preisverleihung aber in sämtlichen wichtigen Kategorien übergangen: Bei den Darstellern, beim Drehbuch und auch bei der besten Regie dominierten andere (siehe Beitrag unten). Als Johnny Depp zum Schluss der Gala "12 Years A Slave" als bestes Drama verkündete, da war McQueen die Erleichterung schon anzusehen - und das, obwohl der Regisseur einige Wochen zuvor beim Interview mit der "Wiener Zeitung" beteuerte, wie nebensächlich solche Filmpreise für ihn wären.

McQueen, der bislang durch unbequeme, radikale Arthaus-Filme wie "Hunger" oder "Shame" auf sich aufmerksam machte, ist ein verdienter Preisträger, gemessen in Hollywood-Maßstäben: "12 Years A Slave" ist zwar die überaus brutale Schilderung eines Sklavenschicksals, jedoch gut eingepasst in erprobte Hollywood-Erzählstrukturen. Es ist McQueens bislang zugänglichster Film.

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"12 Years A Slave" erzählt die wahre Geschichte des Afro-Amerikaners Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor), der in New York Mitte des 19. Jahrhunderts ein Leben als angesehener Bürger mit Haus und Familie führt. Doch dann wird Solomon nach Süden verschleppt, wo es die Sklaverei für Schwarze unmöglich macht, ein freies Leben zu führen. Mit qualvoller Pein muss Solomon zwölf Jahre die Launen seiner Meister ertragen. Eine Versklavung, die die historische Figur Jahre später in seinem Buch "12 Years A Slave" festhielt, das McQueen als Vorlage diente und auch Brad Pitt beeindruckte. Der spielt eine kleine (Schlüssel-)Rolle im Film und hat das Projekt als Produzent überhaupt erst ermöglicht, wie Steve McQueen im Gespräch verriet.

"Wiener Zeitung": Mister McQueen, ist es bloßer Zufall, dass in letzter Zeit etliche Filme von Sklaverei erzählen? Etwa Tarantinos "Django Unchained" oder Spielbergs "Lincoln"?

Steve McQueen: Es scheint momentan viel Aufregung um das Thema zu geben, aber ich glaube nicht, dass Hollywood demnächst daraus ein eigenes Genre machen wird. Vielleicht hängt die Sensibilisierung für das Thema auch damit zusammen, dass es eine zweite Amtszeit mit Obama gibt.