Eigentlich könnte Max Simonischek Abend für Abend ein Millionenpublikum haben. Wenn er daran Interesse hätte, einfältige Texte in TV-Soaps und Serien aufzusagen. Doch das Oberflächliche ist seine Sache nicht: "Mich interessieren vielschichtige Rollen", sagt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" bei den Solothurner Filmtagen. "Vor allem am Theater bekomme ich diese Rollen, weil da das Schubladendenken nicht so ausgeprägt ist. Im deutschen Fernsehen gibt es oft Angebote, den gut aussehenden Schwiegersohn-Typen zu spielen. Das interessiert mich einfach nicht."

Max Simonischek ist immer schon seinen eigenen Weg gegangen. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass seine Eltern beide Schauspieler sind: Seine Mutter Charlotte Schwab und sein Vater Peter Simonischek sind schillernde Vertreter ihres Berufsstandes. Für den Sohn muss das Ansporn genug gewesen sein, es selbst - und möglichst ohne Protektion durch die Eltern - zu schaffen.

Seit einiger Zeit wagt sich der 31-Jährige auch vor die Filmkameras: Er spielte im TV-Zweiteiler "Hindenburg" (2011) die Hauptrolle und drehte in der Schweiz den Kinofilm "Der Verdingbub" (Regie: Markus Imboden). Jetzt kommt mit "Akte Grüninger" (siehe Kritik auf Seite 28) sein neuer Film heraus. "Es geht um Paul Grüninger, einen Schweizer Grenzbeamten im Zweiten Weltkrieg, der jüdische Flüchtlinge illegal aufgenommen hat. Er war eine Art schweizerischer Oskar Schindler. Als es immer mehr Flüchtlinge wurden, haben die Behörden davon Wind bekommen und schicken den Polizisten Robert Frei, den ich spiele."

Dass Simonischek den anfangs bösen Buben gibt, hat durchaus Konzept: "Frei macht im Laufe der Geschichte eine Läuterung durch. Solche Figuren zu spielen, ist extrem spannend, weil sie ambivalent sind."

Das Theater als Heimat

Besonders gern spielt Simonischek solche Charaktere am Theater: "Ich mache deshalb so gern Theater, weil man da in die Vollen gehen kann - da gibt es keine Grenzen, was die Kreativität betrifft", sagt er. Die Liebe zum Theater ist ihm angeboren. Simonischek bezeichnet die Bühne sogar als seine Heimat. Am Maxim-Gorki-Theater war er eine Zeit lang fixes Ensemble-Mitglied, zuletzt verschlug es ihn an die Münchener Kammerspiele. In Wien stand er nur einmal während seines Studiums am Mozarteum Salzburg auf der Bühne des Theaters in der Josefstadt. Doch sonst ist Wien für ihn ein noch unbeschriebenes Blatt.

Woher kommt der Drang, auf der Bühne zu stehen? "Das Theater ist ein Ort, an dem sich Menschen noch mit einer Geschichte oder einem Thema auseinandersetzen. Das wird im Alltag immer seltener. Wenn man in die U-Bahn steigt, hat dort jeder Zweite ein Handy in der Hand und einen Stöpsel im Ohr", sagt Simonischek. "Am Theater trägst du noch Konflikte aus, verbringst viel Zeit mit den Kollegen bei den Proben. Mein Zugang dazu ist mein Interesse an der Begegnung von Menschen."

Seine Eltern hatten kaum Einfluss auf Simonischeks Berufswahl, wie er betont: "Meine Entscheidung war nie beeinflusst von meinen Eltern, die haben sich da immer rausgehalten. Wenn, dann gab es eher die Phase in meiner Jugend, in der ich den Beruf nicht ergreifen wollte, weil eben beide Elternteile darin arbeiteten. Aber der Drang dazu war letztlich stärker."

Heute ist das Verhältnis genau so, wie man es sich von einer Schauspieler-Familie vorstellt: "Wir sprechen viel über den Beruf, gehen auch gerne zusammen ins Theater. Dennoch habe ich immer versucht, meinen Beruf alleine durchzuziehen. Ich hätte es mir auch leicht machen können und nur Produktionen mit meinem Vater spielen können. Solche Beispiele gibt es ja auch", meint Simonischek.

Tatsächlich hat Max überhaupt noch nie mit seinem berühmten Vater zusammengespielt. "Aber das kommt noch, das hebe ich mir noch auf. Es muss das richtige Stück sein, der richtige Regisseur. Und nicht bloß, dass Vater und Sohn auf der Bühne stehen. Das muss Sinn machen." Mit Sicherheit ließe sich prophezeien: Dieses Duo würde ein Quotenhit werden. Ganz ohne einfältige Texte, TV-Klischees und Schwiegersohn-Rollenbilder.