Wenn sich Charlotte Gainsbourg in der Rolle von Joe im Film "Nymphomaniac" von einem Perversen den Hintern blutig peitschen lässt, wenn sie Sex mit zwei wahllos auf der Straße ausgewählten Schwarzen hat, wenn sie Sadomaso-Praktiken ausprobiert, dann spricht aus ihrer Figur immer auch Regisseur Lars von Trier selbst: Der hat mit "Nymphomaniac" seine Trilogie zur Bewältigung eigener Depressionen vollendet - und erzählt von den sexuellen Eskapaden einer Frau, die als Nymphomanin einen Leidensweg zwischen Lust und Laster empfindet. Teil eins des Films startet am Freitag in den Kinos, Teil zwei folgt im April. Die "Wiener Zeitung" traf Gainsbourg, 42, in Kopenhagen zum Gespräch.

"Wiener Zeitung": "Nymphomaniac" zeigt eine Vielzahl sexueller Praktiken und viele harte Sexszenen. Hat sich Ihre Einstellung zu Sex durch den Film verändert?

Charlotte Gainsbourg: Sie meinen, ob ich etwas dazugelernt habe? (lacht) Nein. Ich verstand zuvor nicht, was eine Nymphomanin eigentlich macht. Ich wusste nicht, dass der Appetit auf Sex so selbstzerstörerisch sein und so viel Leid auslösen kann.

Lars von Trier selbst bezeichnet "Nymphomaniac" als Porno. Das ist er aber nicht.

Nein, das ist er nicht. Leute, die sich gerne Pornofilme anschauen, sollten lieber die Finger von diesem Film lassen. (lacht)

Den Film gibt es in zwei Versionen: in einer vierstündigen und einer fünfeinhalbstündigen.

Die Langfassung (die allerdings vorerst nicht in die Kinos kommt, Anm.) ist genau der Film, den Lars sich vorgestellt hat - er entspricht zu 100 Prozent seinen Ideen. Aber der vierstündige Zweiteiler ist trotzdem immer noch Lars’ Film. Er hat sich zwar vom Schnitt distanziert, aber die Produktion dachte, es wäre praktikabel, eine kürzere Fassung zu veröffentlichen.

Diese "Kurzversion" kommt nun in zwei Teilen in die Kinos. Was fehlt denn in der kurzen Version?

Etliche meiner Szenen wurden herausgeschnitten, vor allem im zweiten Teil, der von drei auf zwei Stunden gekürzt wurde. Es fehlen die radikaleren, expliziten Sexszenen. Im Übrigen war mir wichtig, keine Beischlafszenen zu drehen, das sind Körper-Doubles oder Computereffekte.