Dandy-Look für Mortensen in der Highsmith-Verfilmung "Die zwei Gesichter des Januars". - © StudioCanal
Dandy-Look für Mortensen in der Highsmith-Verfilmung "Die zwei Gesichter des Januars". - © StudioCanal

Cannes. Mit der "Herr der Ringe"-Trilogie ist er berühmt geworden: Viggo Mortensen weiß, was er Peter Jackson zu verdanken hat - was ihn aber nicht daran hinderte, kürzlich zwei der drei "Herr der Ringe"-Filme in einem Interview mit einem britischen Journalisten als "einziges Desaster" zu bezeichnen. Niemand habe an den Erfolg der Trilogie geglaubt, wer das behaupte, sage die Unwahrheit, so Mortensen. Peter Jackson habe am Set völlig chaotisch inszeniert und Mortensen war überzeugt, dass es Teil zwei und drei nicht in die Kinos, sondern nur in die Videotheken schaffen würden.

Es ist alles anders gekommen, die Trilogie spielte schließlich rund drei Milliarden Dollar ein, und Mortensen wurde zum Star. Mortensen löste mit seiner Kritik am Rande des Filmfestivals in Cannes einen kleinen medialen Shitstorm aus: Fans der Trilogie (und derer gibt es viele) konnten nicht verstehen, warum der Schauspieler plötzlich gegen seinen eigenen Mentor wetterte.

"Ohne Peter Jackson hätte ich diese Karriere nicht gemacht"


"Aber warum soll ich lügen, wenn man mich nach meinem damaligen Gefühl befragt", sagt Mortensen. "Es stimmt ja, dass ich das gesagt habe. Aber, wie das nun einmal so häufig passiert, wurde nur der Teil abgedruckt, der spektakulär klingt. Ohne Jackson hätte ich nicht die Karriere machen können, die ich gemacht habe. Meine beiden Filme mit David Cronenberg zum Beispiel hätte es sicher nicht gegeben. Ich hätte nicht so viel Zeit bekommen, meine anderen Leidenschaften wie das Schreiben und das Malen auszuleben. Ich hätte mich mehr um meine Schauspielerei kümmern müssen, weil man mir bestimmt nicht die Gagen gezahlt hätte, die ich heute bekomme", sagte Mortensen dem Online-Portal Filmclicks.at in Cannes.

Trotz seines Star-Status scheint Mortensen seit geraumer Zeit einen Bogen um große Hollywood-Produktionen zu machen. Seine Filme sind oft kleine Arthaus-Dramen, zuletzt spielte er in dem spanischsprachigen "Jeder hat einen Plan", und in Cannes stellte er soeben das dänisch-spanische Drama "Jauja" vor. In den Kinos ist der 55-jährige New Yorker mit dänischem Vater ab dieser Woche in der Patricia-Highsmith-Verfilmung "Die zwei Gesichter des Januars" zu sehen.

"Ich meide Hollywood nicht", sagt Mortensen im Gespräch, "ich kann aber nicht leugnen, dass es in Hollywood keine allzu große Auswahl an interessanten Projekten gibt, die genügend Originalität besitzen. Die Studios verlassen sich gerne auf ausgetretene Erzählformeln, was durchaus unterhaltsam sein kann. Aber meist ist es trotzdem wenig überraschend."