Wien. Die Viennale ist in die Länge gewachsen: In diesem Jahr wird das Wiener Filmfestival
(23. 10. bis 6. 11.) um einen Spieltag verlängert, weil man durch den Wegfall des ehemaligen Stadtkinos am Schwarzenbergplatz einen Spielort weniger hat. "Dafür hat das Metro-Kino nach vollständiger Renovierung nun einen zweiten, ganz neuen Saal bekommen", freut sich Festival-Direktor Hans Hurch. Dieses Studio-Kino wird bei der Wiedereröffnung des Metro am 10. Oktober auf den Namen Eric-Pleskow-Saal getauft. Pleskow ist nicht nur eine Hollywood-Produzentenlegende, sondern auch Viennale-Präsident. Trotz Umbauverzögerungen soll alles rechtzeitig fertig sein. Hurch: "Und ich gehe davon aus, dass auch die Finanzierung gesichert ist."

Der neue Saal hat mit 60 Sitzen rund 100 Plätze weniger als das Stadtkino, weshalb in Summe knapp 8000 Sitze weniger zur Verfügung stehen. "Deshalb verlängern wir das Festival um einen Tag, was die Viennale sicher auch entzerren dürfte", so Hurch.

Mit insgesamt 150 neuen Spiel- und Dokumentarfilmen hat Hurch für sein Hauptprogramm wieder die Schätze aktueller Arthaus-Produktionen von den Festivals aus aller Welt zusammengetragen. Zu den Spielfilm-Höhepunkten seiner Filmauswahl gehören dieses Jahr unter anderem "Adieu au langage", der erste 3D-Film von Jean-Luc Godard, "Sils Maria" von Olivier Assayas, "Deux jours, une nuit" der Dardenne-Brüder oder der Cannes-Siegerfilm "Winter Sleep" des Türken Nuri Bilge Ceylan.

Nick Cave hautnah


Bei den Dokus ist unter anderem der Film "20.000 Days on Earth" zu sehen, der den 20.000. Tag im Leben des Sängers Nick Cave dokumentiert. Außerdem zu sehen: die Doku "Maidan" von Sergei Loznitsa über die Ursprünge des Ukraine-Konflikts, der Museums-Film "National Gallery" von Frederick Wiseman und "Mr. Leos Carax", ein Porträt des exzentrischen Regisseurs.

Aus Österreich kommen diesmal etwa "We Come As Friends" von Hubert Sauper, "Macondo" von Sudabeh Mortezai und "Amour Fou" von Jessica Hausner. Ein Tribute widmet die Viennale dem Schauspieler Viggo Mortensen, unter anderem mit seinen Filmen "A History of Violence", "The Lord of the Rings" oder "A Dangerous Method". "Wir hoffen sehr, dass Mortensen persönlich nach Wien kommt", sagt Hans Hurch. Die Chancen stünden jedenfalls gut. Weitere Sonderreihen widmet die Viennale dem Filmformat 16mm, dem algerischen Filmemacher Tariq Teguia und dem kürzlich verstorbenen Regisseur Harun Farocki. Die Retrospektive im Österreichischen Filmmuseum ehrt heuer das Werk von John Ford, der in seiner Karriere 124 Filme gedreht hat und praktisch jedes Genre streifte, obwohl er bis heute nur als Ikone des Westerns gefeiert wird. Die Viennale will 45 seiner Werke zeigen.

Das Alte zu ehren, das Neue zu feiern, ist das Motto der heurigen Wiener Filmschau. Das Plakat dazu zeigt eine lodernde Flamme. Hurch: "Das Feuer des Kinos weiterzureichen, das ist die Idee der Viennale."