Der alte Parkettfußboden kracht und knackt, als ihn ein Arbeiter mit einer Eisenhacke brutal in Stücke schlägt. Es ist der Beginn der umfassendsten Renovierung des Kunsthistorischen Museums in Wien seit Jahrzehnten. Johannes Holzhausen hat beinahe drei Jahre lang mit seinem Filmteam dabei zugesehen, wie hier neu gestaltet wurde, wie Kunstschätze abgehängt, restauriert, aufgehängt, umgehängt und abgestaubt werden. Wie man mit den Kronen einstmals gekrönter Häupter verfährt, um sie der Nachwelt zu erhalten. Wie sensibel mit alten Gemälden, Geschirr, Schmuck umgegangen werden muss, um nichts zu beschädigen.

Der Film zeigt die Museumswelt von innen, die so manchem vorderhand verschroben altmodisch erscheinen mag: Vieles hier scheint weder in Tempo noch Rhythmus zur heutigen, schnelllebigen Zeit zu passen, und all diese Gemächlichkeit bringt den "Museumsleuten" eben jenes Image ein, das an ihnen seit je-her klebt: Einzelgänger, die mo-natelang in stillen Kammern Stück für Stück die Vergangenheit sezieren.

Dabei erzählt "Das große Museum" noch eine andere Geschichte: nämlich die der Kulturnation Österreich. Dingfest gemacht an einem berühmten Museum verhandelt Holzhausen hier auch die Befindlichkeit der Österreicher zu ihrer Kunst, ihrer Kultur, ja letztlich auch zu ihrer Nation. Die hochkonzentrierte Arbeit des Filmemachers subsumiert schließlich, aus welchem Holz wir alle sind: Es ist ein Land, dass in erster Linie von und nicht durch seine Geschichte lebt.

Doku

Das große Museum, Ö 2014

Regie: Johannes Holzhausen. Dokumentarfilm