Adieu au langage. Mit 83 Jahren ist Godard nicht zu alt, um seinen ersten Film in 3D zu machen, und es wäre nicht Godard, würde er damit nicht wieder etwas Einzigartiges, sogar Neues schaffen. Im Grunde geht hier ein Mann (er) mit seinem Hund spazieren. Dabei überlappen Erinnerungen, Ereignisse, Anekdoten, Theorien und Thesen zu Kultur, Literatur, Politik, Geschichte und Kino - und auch die Bilder und Töne überlappen und verschieben sich, denn wenn schon drei dimensional, dann auch vielschichtig: Auf Wiedersehen, Sprache, hallo Gott - oder auch: Godard (zu sehen im Rahmen des Spezialprogramms "Cinq Fois Godard").

Gartenbaukino, 31. Okt., 21 Uhr

Gartenbaukino, 1. Nov., 11 Uhr

Cavalo Dineiro (Horse Money). Regisseur Pedro Costa kehrt hier mit Ventura, eine seiner Hauptfiguren in seiner gesamten Arbeit, in Portugals schwierige Vergangenheit zurück und blickt in eine unsichere Zukunft. Einem beunruhigenden, visuellen und sensuellen Gedicht gleich, bewegen sich die Figuren hier im Schatten, als Schatten, flüsternd, in den unwirtlichen Gängen eines Krankenhauses, den porösen Eingeweiden einer Nation. Wie Skulpturen schälen sie sich in Nahaufnahmen aus dem Dunkel und verschwinden andernorts in einer undefinierbaren Unendlichkeit. Eine Szene in einem Aufzug, in dem Ventura einem Soldaten gegenübersteht, ist an akkumuliert-kulminativer Klaustrophobie nicht zu überbieten. Und doch ist dies nur die Spitze eines immensen Unterbaus.

Stadtkino im Künstlerhaus,
1. Nov., 21 Uhr

Metro, Eric-Pleskow-Saal,
2. Nov., 14.30 Uhr

Dos Disparos (Two Shots Fired). Der 16-jährige Mariano kommt frühmorgens aus der Disco heim, mäht den Rasen, schwimmt eine Runde im Pool, macht sich ein Sandwich und schießt sich danach einmal in den Bauch und einmal in den Kopf. Später wird er sagen: "Es war heiß", und weiterleben wie bisher. - Nicht oft macht der argentinische Schriftsteller und Regisseur Martín Rejtman einen Film, aber jedes Mal ist das Ergebnis außerordentlich. "Dos Disparos" ist die Entknotung von Kausalität und Konsequenzen und eine Hommage an die Willkür von Grund und Handeln. Eine Komödie, in der man noch lauter lachen könnte, hätte sich nicht - erinnern wir uns? - eingangs jemand erschießen wollen.

Urania, 24. Okt., 18 Uhr

Metro, 25. Okt., 13.30 Uhr

Haganenet (The Kindergarten Teacher). In einer Welt, die Kunst nicht mehr wertschätzt und in der Sensibilität niedergemetzelt wird, versucht eine Kindergärtnerin einen speziell begabten Jungen "zu retten". Ein Kind-Poet, der spontane Gedichte verfasst, hat in der Realität, in der beide leben, keine Chance, meint sie und entführt ihn. Es ist ein weiblicher Don Quixote, den der israelische Regisseur Nadav Lapid hier auf eine aussichtslose Eroberung schickt. Nach "Hashoter" ("Policeman") beschäftigt er sich hier gewissermaßen erneut mit einer Dualität von Ideal und Ideologie; eine bemerkenswerte und sehr interessante Arbeit.

Urania, 5. Nov., 20.30 Uhr

Metro, 6. Nov., 13 Uhr

P’tit Quinquin (Episode 1 + 2). Nicht weniger als brillant ist diese erste TV-Arbeit des französischen Regisseurs Bruno Dumont - seine erste (offiziell als solche titulierte) Komödie: Ein chaotisches Detektiv-Duo, von denen der eine nervöse Ticks und der andere gar nichts besitzt, muss in der französischen Provinz eine brutale Mordserie aufklären, bei der die Leichen jeweils nur zerstückelt und im Inneren diverser Nutztiere gefunden werden. Nicht nur über menschliche Abgründe lernen wir hier, sondern auch über die Gipfel religiöser und politischer Absurditäten.

Gartenbaukino, 25. Okt., 23 Uhr

Gartenbaukino, 6. Nov., 13 Uhr

Mula sa Kung Ano ang Noon (From What is Before). Mit 5 1/2 Stunden beinahe ein "Kurzfilm" des philippinischen Regisseurs Lav Diaz, ist diese Arbeit (Goldener Leopard in Locarno) ein großartiges Beispiel des "Slow Cinema". Die Analyse einer Gemeinschaft und der Dynamiken von Repression anhand einer Gruppe von Menschen an der Küste im Jahr 1972, kurz bevor General Marcos die Diktatur ausrief. In Schwarz und Weiß analysiert Diaz hier Geschichte in all ihrer Komplexität - und ihrer Menschlichkeit.

Metro, 2. Nov., 10.30 Uhr