Scopitones zeigten nach Münzeinwurf kurze 16mm-Musikstücke, die Vorläufer der Musikvideos. - © Viennale
Scopitones zeigten nach Münzeinwurf kurze 16mm-Musikstücke, die Vorläufer der Musikvideos. - © Viennale

Die Filmgeschichte war immer auch eine Geschichte des Formalen, der Filmformate und ihrer Ästhetiken. Ein früher Stummfilm sah dank niedriger Bildfrequenzen und langsamen Schwarzweiß-Materials deutlich anders aus als ein früher Farbton-Film wie der in Technicolor schillernde "Robin Hood" von 1938. Ein rauer, direkter und grobkörniger Film wie "Easy Rider" kam optisch ganz anders daher als gelackter Hochglanz-Pomp Marke "Titanic".

Zumeist ist die Formatfrage für die visuelle Gestaltung eines Films ausschlaggebend, zumindest, solange auf Film gedreht wurde. Auch in der digitalen Zeit eifern die elektronischen Bildsensoren in ihrer Größe dem 35mm-Filmformat nach - und in der Nachbearbeitung finden sich Filter, die an berühmte Filmmaterialien erinnern - von Kodaks "Vision" bis zu Fujis "Velvia".

Günstige Format-Alternative


Der 16mm-Film war wohl das einflussreichste aller Filmformate, weshalb ihm die Viennale das umfassende Sonderprogramm "Revolutionen in 16mm" widmet. 1923 ursprünglich als Amateurfilmformat eingeführt, das auch für Lehr- und Werbefilme verwendet wurde, trat das Material mit 16 mm Breite und zweiseitiger oder einseitiger Perforation seinen Siegeszug bald auch im Kino an, weil es viel günstiger war als der 35mm-Film. Später eroberte es das Fernsehen, dessen Entwicklung ohne den 16mm-Film nicht denkbar gewesen wäre.

Zwar war die belichtete Fläche mit 12,7 Millimeter Diagonale relativ klein im Vergleich zu 35mm (aber immer noch viel größer als das tatsächliche Amateurformat 8mm), was vor allem bei frühen Filmtypen zu grobem Korn in der Projektion führte, jedoch machte 16mm die Kompaktheit sowohl von Aufnahme- als auch Wiedergabe-Equipment zum lukrativen Geschäft, Filmbilder auch an ungewöhnlichen Orten zu drehen und wiederzugeben, wie etwa in einem der oben abgebildeten Scopitones, die Ende der 50er Jahre aufkamen und nach Münzeinwurf kurze Filme mit Musiknummern abspielten.Solchen "Jukebox-Filmen" widmet die Viennale eine eigene Vorstellung (4. November, 17 Uhr) im Pleskow-Saal des Metrokinos.

Vor allem die TV-Stationen nutzten 16mm-Film exzessiv, auch für die News-Berichterstattung. Dazu hatte man eigene Labors, die das Material so schnell entwickelten, dass es zwei Stunden nach dem Dreh schon gesendet werden konnte. Später eroberte der nur einseitig perforierte Super16mm-Film dank seines breiteren Bildformats auch das künstlerische Low-Budget-Kino, weil er viele Freiheiten brachte. Spielfilme konnte man nun auf 35mm-Material "aufblasen" und umkopieren, damit der Film in herkömmlichen Kinos vorgeführt werden konnte.

Die goldene Ära des 16mm-Films endete vor gut drei, vier Jahren, als man vor allem beim Fernsehen in großem Stil auf die von Größe und Qualität ebenbürtigen Digitalsensoren umstieg. Seither ist etwa der "Tatort", früher ein typisches 16mm-Produkt, volldigital. Zwar hat der gebeutelte Hersteller Kodak noch sieben 16mm-Filmtypen im Programm, doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch diese sich dezimieren. Dass die Haltbarkeit des Filmmaterials jenes von digitalen Daten weit übertrifft, ist da leider auch kein Argument mehr für die Filmbranche.

Die Viennale feiert mit ihrer allerersten Filmschau zu einem Filmformat jedenfalls die Spielformen der körnigen 16mm-Ästhetik quer durch alle Genres, kuratiert von Katja Wiederspahn und Haden Guest. Entdeckungen sind dabei garantiert.