Angelina Jolie will bald nur mehr Regie führen und das Schauspielen aufgeben. - © Universal Pictures
Angelina Jolie will bald nur mehr Regie führen und das Schauspielen aufgeben. - © Universal Pictures

Die Kunst ist frei, doch ihre Gestaltung mitunter recht streng kanalisiert. Es gibt zum Beispiel kaum ein hierarchischer organisiertes Gebilde als ein Filmset: Dort gibt der Regisseur (im Idealfall) als unumschränkter Herrscher über den kreativen Prozess den Ton an, der nur mehr noch vom Produzenten gegängelt werden kann, indem dieser den Geldhahn zudreht.

Alle anderen Berufssparten beim Film ordnen sich dieser Vision des Regisseurs unter (zumindest ist das bei künstlerischen oder Autorenfilmen so). Es gibt viele Filme über das Filmemachen, die diese Hierarchie mal kritisch, mal süffisant beschreiben. Aber nirgends wird die Frage geklärt, weshalb jemand den Beruf des Regisseurs ergreifen will. Sind das Machtmenschen? Haben sie besondere Visionen? Warum sind die meisten davon Männer?

Auffallend ist, das gerade Schauspieler oft den Wechsel ins Regiefach versuchen, manche mehr, manche weniger erfolgreich.

Angelina Jolie gehört jetzt auch zu den Regisseurinnen. Mit "Unbroken", ihrer zweiten Regiearbeit nach "In the Land of Blood and Honey" (2011), erzählt sie nun die Geschichte des im Vorjahr verstorbenen US-Kriegshelden und Langstreckenläufers Louis Zamperini, der in den Wirren des Zweiten Weltkriegs in die Hände der Japaner fiel, die ihn sadistisch gefoltert haben.

Mit 40 über dem Ablaufdatum


Jolies Triebfeder, hinter die Kamera zu wechseln, hat mehrere Gründe: Ihre humanitäre Tätigkeit für die UNO basiert auf ihrem großen Interesse an den politischen und gesellschaftlichen Problemen von Entwicklungsländern. Nicht umsonst erzählt Jolie in ihren eigenen Arbeiten von politischen Umstürzen, Flüchtlingsleid, Kriegshass und Gewalt. Außerdem kann Jolie im Regiejob endlich jene Kreativität ausleben, die man als Schauspieler nur bedingt einsetzen kann: Schließlich ist der Darsteller auch immer ein Werkzeug für den Regisseur, der über ihn seine Geschichte erzählt.

Und nicht zuletzt spielt bei Jolie wohl der Gedanke mit, bald nicht mehr zu Hollywoods erster Liga zu zählen: Jolie wird heuer 40, das ist in der brutalen Konkurrenzsituation Hollywoods zumeist ein Ablaufdatum für weibliche Karrieren. Diese können- wenn überhaupt - erst gut 15 Jahre später fortgesetzt werden, wenn man glaubhaft eine Großmutter darstellen kann. Diese Zeitspanne zu überbrücken, das schaffen nicht viele. Jolie versucht rechtzeitig eine Umschulung.