Kampfzone: "Foxcatcher" formuliert aus einer wahren Geschichte um zwei Ringer und einen Multimillionär (im Bild: Steve Carell) einen Kommentar zur amerikanischen Gesellschaft. - © Poly Film
Kampfzone: "Foxcatcher" formuliert aus einer wahren Geschichte um zwei Ringer und einen Multimillionär (im Bild: Steve Carell) einen Kommentar zur amerikanischen Gesellschaft. - © Poly Film

Die beste Szene in Bennett Millers Film "Foxcatcher" spielt zwischen den Brüdern Mark und David Schultz (Channing Tatum und Mark Ruffalo), beide Amateur-Wrestler, beide je einen Olympia-Sieg hinter und trotzdem keine goldenen Aussichten vor sich.

David trainiert den jüngeren Mark bereits seit langem, ist an seiner Erscheinung beteiligt, die Mark wirken lässt wie einen Riesen ohne Reich, wenn er, an einem anderen Tag, aus seinem weißen Hemd mit Krawatte quillt, das er sich für einen Vortrag über Erfolg vor Volksschülern angezogen hat.

Jene Szene entwickelt sich in einer halbdunklen, leeren Turnhalle. Es wirkt kühl, bis auf den warmen Ball aus Bewegungen, den die beiden miteinander formen, während sie Kampfchoreografien durchgehen, die teils vollen Körperkontakt erfordern, teils aussehen, als würden hier zwei tanzen. Die Intimität, das blinde Verständnis, das Miller hier so außerordentlich atmosphärisch spürbar machen kann, begründet sich nicht nur in der Vertrautheit zwischen zwei Brüdern, sondern auch in ihrer Zugehörigkeit zu einem bestimmten Teil der Welt, einer Sparte der Gesellschaft, ganz besonders so in den USA.

Unterdrückte Wut


Vor den Schülern steht Mark mit seinen Sportmedaillen behängt, Insignien, die ihn wirken lassen wie einen vergessenen Soldaten gespickt mit Leuchtraketen, die nicht zünden.

Das ist auch, was John du Pont (Steve Carell) in ihm erkennt: einen Soldaten. Der Multimillionär, Erbe einer Waffendynastie, beschließt, Mark "zu kaufen". Selbst von körperlich schwacher Statur, schmallippig und mit (aufgeklebter) krummer Nase, strebt du Pont nach Anerkennung. Er begründet sein Vorhaben, mit Mark an der Spitze ein nationales Wrestlerteam (Name: Foxcatcher) aufzubauen, das zukünftig alle Siege einfahren soll, mit seinem Bedauern darüber, dass Soldaten hierzulande nicht die verdiente Würdigung erhielten. Anerkennung will er aber nicht nur von den USA, sondern auch von seiner verachtenden Mutter (Vanessa Redgrave, eiskalt).

Küchenpsychologisch wird Millers Film nie, vielmehr nimmt sich diese Arbeit wie eine Synthese aus seinem "Capote" (2005) und seinem Baseball-Drama "Moneyball" (2011) aus. Ein veritabler Krimithriller über die aufgeladene Kollision zwischen zwei verschiedenen Arten von Männlichkeit und ganz klar auch der Disparität von körperlicher und ökonomischer Kraft.

Carell gibt das Beste seiner ernsthaften Seite, aber Tatum ist exzellent als Muskelberg, der den Erwartungen seines Patrons nicht standhalten kann. Weit übertroffen werden beide aber von Ruffalo, der David als geerdeten, kraftvollen Mann spielt, dessen Selbstvertrauen in seine eigenen Fähigkeiten so entspannt und bescheiden ist, dass du Pont ihn wenig überraschend auf den ersten Blick hasst.

Abgesehen von dem Preis für die beste Regie in Cannes, ist "Foxcatcher" nun für fünf Oscars nominiert. Dennoch ist Miller kein Regisseur mit einem Arsenal an visuellen Strategien. Er vertraut auf viel Grau, schwach beleuchtete Innenräume und flüssige, aber konventionelle Schnitte. Hier unterstützt dies eine Form mehrfacher "in-Ketten-Legung", sei es du Ponts Gefangenschaft im Minderwertigkeitskomplex, Marks finanzielle Abhängigkeit auf dem freien Markt oder schließlich auch Davids Bestechlichkeit. Permanent ist in der kontrollierten Ruhe, die über allem liegt, eine unterdrückte Wut spürbar. Und tiefe Trauer über so viel Willen, der so nachhaltig gebrochen werden kann. In Wahrheit die hervorragende Chronologie einer Serie von Implosionen.

Drama

Foxcatcher, USA 2014

Regie: Bennett Miller.

Mit: Steve Carell, Channing Tatum, Mark Ruffalo,

Vanessa Redgrave.