(greu) Die Luft ist raus beim Viehzüchter- und Bauernhof-Ehepaar Brigitte (Isabelle Huppert) und Xavier (Jean-Pierre Darroussin): Sie sind in einem Alter, in dem nichts mehr bleibt als das dröge nebeneinander Herleben. Bis Brigitte bei einer Party von einem jungen Mann umgarnt wird, der letztlich auch der Grund für ihren überraschenden Trip ins ferne Paris zum Dermatologen ist, weil sie ein Ausschlag quält. Doch der Hautarzt ist bloß Vorwand, und Brigitte versteigt sich in Fantasien, die sich natürlich nicht erfüllen. Wohl aber mit einem anderen, etwas älteren Geschäftsreisenden (Michael Nyqvist), den die frustrierte Frau gerade im richtigen Moment kennenlernt. Dass ihr der Ehemann nachgereist ist, weiß sie nicht. Und auch Xavier selbst darf ob der amourösen Ausflüge seiner Frau an sich nicht böse sein, hat er doch vor der eigenen Türe zu kehren. All das vermengt Regisseur Marc Fitoussi zu einem charmanten Eintopf der Gefühle, in dem die Huppert zeigen kann, welch großes komödiantisches Talent sie abseits ihrer oftmals zur Schau gestellten Eiseskälte besitzt. Oder anders formuliert: "Sehnsucht nach Paris" besitzt den richtigen Mix aus Charme, Leichtfüßigkeit und einer Prise Drama, um als typisch französischer Film durchzugehen: unterhaltsam und lässig - durchaus mit Niveau.

Entkommen aus dem Desaster

(fan) 1986 geriet die Verfilmung des Hardboiled-Romans "Heat" von William Goldman, den er selbst adaptierte, zum Desaster (Hauptrolle: Burt Reynolds). Nunmehr, mit 83 Jahren, hat sich der Autor vorgenommen, alles wieder auszubügeln. Das fast identische Remake ist tatsächlich besser gelungen. Vor allem bietet Jason Statham eine ungewohnt neue Seite. Statt des schweigsamen, schlecht gelaunten Kloppers entpuppt er sich nun als introspektiver Grübler, aber auch gesprächsbereiter, kollegialer Kumpel. Dennoch hat er als abgehalfterter Ex-Söldner mit den eigenen Dämonen zu ringen. Oft betrunken, muss er gegen Spielsucht und Überdrüssigkeit ankämpfen. Ausgerechnet in Las Vegas gelandet, hat er nur ein Ziel: genug Geld zusammenzubekommen, um nach Korsika entkommen zu können. Doch dann muss er sich mit dem Mob anlegen. Die üblichen Klischees werden großteils umgangen, die Karten im wahrsten Sinn immer wieder neu gemischt. Dennoch verfällt der Plot des Öfteren in eine gewisse Holzschnittartigkeit. Statham jedenfalls wirkt als Charakterdarsteller recht gut, kämpfen darf er drei Mal. Insgesamt eine eigenwillige Mischung aus Neo-Noir und meditativem Actionfilm.