Wim Wenders hat einen Goldenen
Wim Wenders hat einen Goldenen

Berlin. Der deutsche Filmregisseur Wim Wenders, 69, erhielt den Goldenen Ehrenbären der Berlinale. Fast zu früh für ein Resümee, findet er.

"Wiener Zeitung": Herr Wenders, die Berlinale ehrt Sie für Ihr Lebenswerk. Kommt das zu früh?

Wim Wenders: Der Ehrenbär ist ein Blick zurück. Aber ich will nicht, dass man meine Arbeit als ein abgeschlossenes Werk sieht. Das ist sie nicht. Deshalb habe ich zur Berlinale auch meine Geheimwaffe mitgebracht - einen ganz neuen Film, den ich hier vorgestellt habe. Er heißt "Every Thing Will Be Fine" und erzählt von einem Mann, gespielt von James Franco, der damit fertigwerden muss, ein kleines Kind überfahren zu haben. Es geht um Schuld und Vergebung. Es war knapp: Wir haben noch die Musik aufgenommen, als die Berlinale vergangene Woche begann. Bei dem Film geht es mir darum, zu zeigen, dass sich die 3D-Technik auch für Dramen eignet und nicht nur für Hollywood-Blockbuster.

Schon mit Ihrer Tanz-Doku "Pina" (2010) haben Sie einen 3D-Film gedreht. Was fasziniert Sie so an 3D?

Ich bin fest davon überzeugt, dass es das Vokabular von uns Filmemachern entscheidend erweitert. Es bietet eine neue Art, ganz nah an Personen ’ranzukommen und bereichert die emotionalen Möglichkeiten. Schon bei "Pina" war mir klar: Tanz und 3D gehören zusammen. Mit 3D aber dramatisch zu erzählen, war eine neue Herausforderung, von der ich glaubte, dass das schnell sehr viele machen würden. Dass ich jetzt, fünf Jahre später, immer noch der Einzige bin, der das versucht hat, überrascht mich.

Sie haben sich jedenfalls viel Zeit genommen, acht Ihrer älteren Filme, darunter "Der Himmel über Berlin" oder "Paris, Texas", digital zu restaurieren, die das Festival dann Ihnen zu Ehren aufgeführt hat.

Das ganze letzte Jahr hat das gedauert. Dabei ging es um die Herstellung des Eindrucks, den die Filme bei ihrer Premiere hinterließen. Genauso sollten die restaurierten Filme aussehen. "Paris, Texas" sieht jetzt wieder so aus wie damals, als wir den Film aus dem Kopierwerk holten.

Wieso ist Ihnen das wichtig?

Wenn ich meinen Studenten einen alten Film auf einer zerkratzten Kopie vorführe, dann ist das für sie ein Teil der Filmgeschichte. Wenn man die restaurierte Fassung zeigt, wirkt der Film wie neu und weckt das Interesse der Studenten ungleich mehr. "Paris, Texas" in der neuen Fassung sieht aus wie der Filmprint, den wir damals in Cannes zeigten.