• vom 17.05.2015, 11:08 Uhr

Film

Update: 03.05.2016, 12:09 Uhr

Cannes

Fuji in Massachusetts




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Von Alexandra Zawia, Cannes

  • The Sea of Trees von Gus van Sant lässt Matthew McConaughey im Wald allein

In 68 Jahren Festivalgeschichte, wurden in Cannes schon einige Filme ausgebuht, darunter immer wieder auch die von Michael Haneke. Während einer offiziellen Premiere, also vor nicht professionellem Publikum, passiert das so gut wie nie, denn die feierlich geladenen Gäste applaudieren bei solchen Anlässen geziemt auch nach dem schlechtesten Film wenigstens aus Höflichkeit.

Doch beim Wettbewerbsbeitrag "The Sea of Trees" von Gus van Sant könnte es diesen Samstag Abend – verständlicherweise – dazu kommen, auch wenn der US-amerikanische Regisseur bereits zwei Mal die Goldene Palme gewonnen hat (2003 für "Elephant" und 2007 für "Paranoid Park") – und zwei Mal für einen Oscar nominiert war (für "Milk" und "Good Will Hunting").


"The Sea of Trees" will die Geschichte von Arthur (Matthew McConaughey) erzählen, der nach dem Tod seiner Frau (Naomi Watts) in einen naturbelassenen Wald am Fuß des Fuji in Japan reist, um sich dort umzubringen. Dieser Wald als weltbekannter Ort für Menschen, die jene "spirituelle Reise" ins Jenseits antreten wollen, ist für den Film in Massachusetts gedreht worden, aber das ist hier noch die geringste Unehrlichkeit.

Arthur wird in seinem Vorhaben von einem Verirrten (Ken Watanabe) gestört, der es sich offenbar anders überlegt hat und nun buchstäblich den Weg zurück ins Leben nicht mehr findet. Ähnlich unsubtil nimmt der Film seinen kitschtriefenden Lauf: Arthur entscheidet sich, ihm zu helfen und erst jetzt beginnt die wahre Herausforderung seines Lebens, als er sich nach und nach sich selbst stellen muss, sowie seinen Erinnerungen, die van Sant in ausgedehnten Flashbacks inszeniert.

Nicht nur, dass Spiritualität wohl kaum platter dargestellt werden kann als in dieser in ihrem Kern so ratlosen Geschichte darüber, was sie eigentlich bedeutet, kann auch McChonaghey an seiner flachen Figur nur verhungern.

Noch schmerzlicher wirkt dieser Film im Ouevre dieses formal oft so interessanten Regisseurs, weil er mit "Gerry" im Jahr 2002 ebenfalls einen Film machte, in dem zwei Männer damit zu kämpfen haben, mitten im Nirgendwo zu Überleben. Während in "Gerry" durch seinem Minimalismus und seine fordernden Bilder fast jeder Schritt der beiden eine neue Bedeutungsebene eröffnet, ist "The Sea of Trees" nichts anderes als ein Ozean der Nichtigkeiten.




Schlagwörter

Cannes, Gus van Sant

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-05-16 22:36:03
Letzte Änderung am 2016-05-03 12:09:11


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