• vom 28.05.2015, 16:23 Uhr

Film


Thomas Woschitz

Die Provinz ist nicht zum Lachen




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Von Matthias Greuling

  • Regisseur Thomas Woschitz über seine launige Provinz-Posse "Bad Luck".

Ein Überfall bringt in Thomas Woschitz’ "Bad Luck" (derzeit im Kino) gleich mehrere traurige Existenzen in Gefahr. - © Thimfilm

Ein Überfall bringt in Thomas Woschitz’ "Bad Luck" (derzeit im Kino) gleich mehrere traurige Existenzen in Gefahr. © Thimfilm

Villach. Die Kärntner hat Thomas Woschitz schon einmal auf seiner Seite: In Villach gab es bei der Premiere seines neuen Films "Bad Luck" am Mittwoch frenetischen Applaus, hört man. Was auch daran liegen mag, dass dieses filmische Kleinod in Form einer höchst amüsanten Szenensammlung auch ein bisschen Heimatfilm geworden ist. Über Kärnten nämlich. Und über seine Bewohner.

Regisseur Woschitz drehte fast nur mit Laien.

Regisseur Woschitz drehte fast nur mit Laien.© Matthias Greuling Regisseur Woschitz drehte fast nur mit Laien.© Matthias Greuling

In "Bad Luck" (ab heute, Freitag, im Kino) kumulieren sich unterschiedliche Figuren, deren Handlungen sich dramatisch zuspitzen: Dagmar arbeitet in einer Tankstelle und hat Schulden; Lippo wird nach 15 Jahren in einem Wettsalon fristlos entlassen; Rizzo und Karl sind zwei Taugenichtse, der eine Automechaniker ohne Perspektive, der andere ein seltsamer Sonderling; all diese Figuren treffen in "Bad Luck" auf der einsamen Landtankstelle zusammen - und nach drei Autounfällen und einem bewaffneten Überfall könnten alle Probleme gelöst sein - sind sie aber nicht. Genau dann fängt das Drama nämlich erst an.


Woschitz lässt in "Bad Luck" allerlei komische Pechvögel aufeinander los, und weil diese überwiegend von Laien dargestellt werden, gelingen ein paar herrlich authentische Szenen. "Es sind Figuren, die vom großen Glück träumen, es aber nie erlangen. Die Geschichte dreht sich um Menschen, die aus ihrer existenziellen Not heraus etwas Dummes tun", so Woschitz im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Ich habe mich als Basis für die Geschichte von kurzen Zeitungsmeldungen inspirieren lassen, die sich manchmal sehr skurril lesen", so Woschitz. "Da gab es tatsächlich einmal ein Auto, das zwei Tage in einem Baum hing, ehe es zu Boden krachte."

Der Zufall lenkt die Welt
Woschitz glaubt, dass der Zufall unser aller Leben entscheidend prägt: "Ich glaube an den Zufall", so Woschitz, "nichts im Leben ist vorbestimmt. Wenn meine Figuren eine Verkettung von Zufällen erleben, so haben diese sicher auch ihre Ursache in ihrem desperaten Handeln."

Woschitz, der 2009 beim Festival in Saarbrücken den Max-Ophüls-Preis für seine Elegie "Universalove" gewann, kehrt nun mit einer geradezu bodenständigen Geschichte zurück, in der der 1968 in Klagenfurt geborene Regisseur auch die Eigenarten seiner Landsleute einfängt und mit viel Kärntner Dialekt und süffisanten Zwischentönen an seinem einstigen Lebensumfeld forscht.

"Ich kenne die Leute in Kärnten, und die Geschichte hätte auch gar keinen Platz in einer urbanen Umgebung", sagt Woschitz. "Spannend war für mich, die kleinen Strukturen abzubilden, in der jeder jeden kennt, vom Bauern bis zum Polizisten. Es ist eine tiefe Provinz, von der ich erzähle, dort gibt es keine Dorfstruktur, sondern dort sind die Tankstellen die Lebensadern der Menschen."

Nichts lag Woschitz allerdings ferner, als aus "Bad Luck" eine deprimierende Sozialstudie zu machen. "Vielmehr wollte ich etwas Märchenhaftes erzählen. Alle drei Geschichten werden voneinander ausgelöst. Sie können nicht gut ausgehen, aber sie driften dennoch ins Märchenhafte ab."

Besonders gefällt der lakonische Unterton, der den Humor des Films ausmacht. "Dabei war ‚Bad Luck‘ immer als Tragikomödie angelegt", so Woschitz. "Ich wollte ein Gleichgewicht und auch Humor in ernsten Szenen." Das ist Woschitz geglückt: Die Provinz ist nicht zum Lachen, das ist ja das Witzige.




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