Unverfälscht: Rebstöcke ohne Chemikalien. - © Stadtkino Filmverleih
Unverfälscht: Rebstöcke ohne Chemikalien. - © Stadtkino Filmverleih

"Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar", schloss ein gewisser Fuchs sein Gespräch mit einem kleinen Prinzen. Aber wie gut sehen die Herzen, wenn doch immer wieder überall Krieg herrscht? - Gänzlich auf diese Weise formuliert es Stefano Bellotti in Jonathan Nossiters neuem Film, der Dokumentation "Natural Resistance" nicht, und doch ist der Weinbauer ein philosophischer Artisan, ein biodynamischer Widerstandskämpfer in der unsichtbaren Schlacht ökologischer Bauern gegen profitgeile Konzerne, gegen globalisierten Geschmack, gegen EU-Auflagen.

Seine Überzeugung gilt dem Herzen des "terroir", der Gegend, dem Nährboden, auf dem die Rebstöcke allein durch das gedeihen sollen, was diese Erde ihnen gibt - ohne Druck, ohne Chemikalien, ohne Zusatzstoffe. Denn wenn man derart verfälschte Nahrung isst, wird das eigene Herz schließlich auch selbst vergiftet, so seine nicht uneinleuchtende Conclusio: Manipulierbar und wenig widerstandsfähig habe doch jede Regierung ihre Wähler am liebsten.

Ein wenig scheint Regisseur Nossiter aus der Kritik an seiner viel besprochenen Dokumentation "Mondovino" vor zehn Jahren (im Wettbewerb von Cannes) gelernt zu haben. "Natural Resistance" ist, trotzdem es derart proklamierten Überzeugungen viel Raum gibt, weniger Agitprop.

Vier alternative Weinbauern - "freie Radikale" - versammelt Nossiter wieder vor seiner Handkamera, angereichert mit Ausschnitten alter Filme (etwa Mario Soldati, Rosselini, Bresson, Chaplin) auch, um einen Zugang zur Theorie herzustellen, dass die Agrikultur eines Landes in unleugbarem Zusammenhang mit dem geistigen Output stehe. Der Direktor der Cinematheque in Bologna, Gian Luca Farinelli, kann erschließen, wie wichtig nicht nur die Erhaltung alter Filme ist, weil dies dem Umgang mit kollektiver Vergangenheit diene, sondern ebenso, dass dies analog zur Wertschätzung für die Natur verlaufe. Wenn man ist, was man isst, durchdringt einen, was man trinkt - und man denkt, wie der Weinbauer lenkt.