Margarethe von Trottas "Die abhandene Welt" (derzeit im Kino) ist eine autobiografisch gefärbte Geschichte und erzählt von Sophie (Katja Riemann), die gemeinsam mit ihrem Vater (Matthias Habich) herausfinden will, weshalb die US-Opernsängerin Caterina Fabiani (Barbara Sukova) ihrer Mutter frappant ähnlich sieht. Die Lösung ist ein Schock: Sophie hat eine Schwester, von der sie bislang nichts wusste. Genau wie Regisseurin von Trotta, die in "Die abhandene Welt" auch ihre eigene Geschichte von der unbekannten Schwester verarbeitet und dabei leider allzu oft in dramaturgische Klischee-Fallen tappt.

Dennoch gehört die 73-jährige deutsche Regisseurin, die einst als Schauspielerin bei Fassbinder bekannt wurde und lange mit Volker Schlöndorff verheiratet war, zu den eindringlichsten Stimmen des deutschen Films und hat auch viel zu erzählen.

"Wiener Zeitung": Von "Schwestern oder Die Balance des Glücks" bis zu "Die bleierne Zeit": Sie haben immer wieder Geschichten über Geschwister erzählt, früher noch unbewusst der Tatsache, dass Sie selbst eine Schwester haben.

Margarethe von Trotta: Meine Mutter hatte Alzheimer, und ich hätte schon stutzig werden müssen, als sie mich einmal fragte, wie es denn meiner Schwester ginge. Ich hatte nie in der eigenen Vergangenheit geforscht. Das ist mir wie mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen worden, als mir eines Tages eine mir unbekannte Frau verriet, dass sie meine Schwester ist. Danach haben wir das alles aufgearbeitet. Meine Mutter war damals mit einem Mann zusammen, der einen Erbonkel hatte und der ihn enterben wollte für den Fall, dass er meine Mutter, diese verarmte Adelige, ehelichte. Sie hat darunter sehr gelitten, dass er sie verlassen hatte, als sie schwanger war, und dass sie die finanzielle Not nachher dazu zwang, das Kind zur Adoption freizugeben.

In "Die abhandene Welt" ist der Zustand des Erforschens von Katja Riemanns Figur ein permanentes Verwirrspiel.

So sind nun einmal Familiengeheimnisse. Ich bin damit groß geworden. Ich wusste zum Beispiel lange nicht, dass meine Eltern gar nicht verheiratet waren. Und dann die Sache mit meiner Schwester. Ich habe tatsächlich das Gefühl, ich bin im Dunklen aufgewachsen, nicht nur, weil die Nachkriegszeit eine dunkle Zeit war und meine allerersten Erinnerungen das Schwarz der Luftschutzkeller in Berlin sind und ich überall nur Ruinen sah. Vielleicht führt das dazu, dass man gerne in den Dingen rumstochert.